Schriftzug, der mit dem Wort "future" endet

Kunsthalle Wien MuseumsQuartier (c) ORF/JOSEPH SCHIMMER

Öffentliche Kommunikation als politisches Erlebnis

Sie senden, was ihnen wichtig ist, was ihnen gefällt, was ihnen Spaß macht. Radio- und Podcastmacher/innen, die ihre Botschaften auf Wegen verbreiten, die nicht die Hauptstraßen öffentlicher Kommunikation sind.

Probieren und studieren sind kein Gegensatz. Oft muss man das eine hinter sich haben, um besser probieren zu können. Zum Beispiel braucht auch die Arbeit bei Ö1 Campus Vorbereitung. Man muss aufnehmen können, wissen wie Radiobeiträge gebaut und gestaltet werden. Das kann man von Radio-interessierten Kolleg/innen lernen, man kann sich Tutorials für Podcast-Gestaltende ansehen, man kann studieren. Man muss allerdings den Willen haben, an eine Öffentlichkeit zu treten.

Radiomachen ist mehr als nur Sendungen zu produzieren, man braucht das Gefühl, dass das, was man macht, eine gewisse Bedeutung hat. Ob man will oder nicht: an die Öffentlichkeit zu treten ist auch ein politischer Prozess.

Noch immer gilt das alte Zitat von Bert Brecht:

Ein Mann, der was zu sagen hat und keine Zuhörer findet, ist schlimm daran. Noch schlimmer sind Zuhörer daran, die keinen finden, der ihnen etwas zu sagen hat.

Dieses Brecht-Zitat bildete den Einstieg in die Diskussion im Rahmen einer Veranstaltung im RadioCafe in der Wiener Argentinierstraße, in der Ö1 Campus Ende Jänner sein zehnjähriges Bestehen feierte.

Radiomachen und Podcasten

Da war die Rede von Narrowcasting, das Initiativen , wie Campus Radio, die Freien Radios oder auch Podcasts es betreiben, dem Sagen, was einem wichtig ist, und dem Hoffen dass man Hörer/innen findet. Da ging es um den Fortschritt als man auf der Suche nach der "Objektivität" war und die Fairness als erreichbares Ziel gefunden hat, es ging um Forschungsergebnisse, die besagen, dass Filterblasen zwar Diskussionen zuspitzen können, dass sehr viele aber auch die entsprechenden Gegenpositionen suchen.

10 Jahre Ö1 Campus

Mitschnitt der Diskussion im Wiener RadioCafé | 31 01 2019

Notizzettel

Der Unterschied zwischen Radiomachen und Podcasten wurde besonders an einem Punkt demonstriert: Radio ist praktisch nie eine Unternehmung einer Einzelperson. Das, was gesendet wird, ist an Diskussionen in Redaktionen rückgebunden.

Die Vielfalt und die unterschiedlichen Qualitäten freier Radios wurden gepriesen und die vielen begeisterten Gruppen, die Ö1 Campus möglich machen.

Große Bandbreite

Von "Radio Afrika", über das Schüler/innen Radio, "Freak Radio", die vielen einzelnen Sendereihen bis zum Studierendenradio der Universität Wien "Radio Campus". Doris Bauer erzählte über ihre Erfahrungen bei "Welt im Ohr" und die Unterschiede zwischen Radio und Podcasts, die sie für den Österreichischen Austauschdienst gestaltet, Helga Schwarzwald vergaß nicht auf die vielen Auszeichnungen hinzuweisen, die die Freien Radios in letzter Zeit erhalten haben, Phoebe Maares brachte Innenansichten von Radio Campus, Folker Hanusch diskutierte mit Peter Klein über Objektivität, Fairness und verzerrende Elemente in der Berichterstattung und alle beteiligten sich am gesamten Gespräch, für das ich mir den weiten Bogen von individueller Freude am Radiomachen bis zu politischer Wirkung von öffentlicher Kommunikation vorgenommen hatte.

Dass nach der Aufzeichnung Alois Schörghuber, der Producer von Ö1 Campus sagte, so etwas sollten wir nun regelmäßig machen ist ein schönes Geschenk zum Geburtstag und man kann davon ausgehen, dass aus dem "sollten wir machen" ein "werden wir machen" wird.

Im RadioCafe diskutierten:

  • Doris Bauer, Radio und Podcast-Macherin OeAD
  • Folker Hanusch, Professor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien
  • Phoebe Maares, Radio Campus, Universität Wien
  • Helga Schwarzwald, Geschäftsführerin Verband Freier Radios Österreich
  • Rainer Rosenberg, Radiomacher
  • und die Gäste

Text: Rainer Rosenberg

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