César Aira

JENS KOMOSSA

César Aira in Neuübersetzungen zum 70er

Der argentinische Schriftsteller César Aira zählt zu den produktivsten und renommiertesten lateinamerikanischen Autoren der Gegenwart und ist bekannt für seine knappen Texte, die mit literarischen Genres und Fiktionsebenen spielen, so auch zwei aktuelle deutschsprachige Neuerscheinungen.

Zu Airas 70. Geburtstag am 23. Februar erweitert Matthes & Seitz schon jetzt seine "Bibliothek César Aira" um zwei Neuübersetzungen: "Das Testament des Zauberers Tenor" und "Was habe ich gelacht".

Morgenjournal | 08 02 2019
Judith Hoffmann

Zwei Texte, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und gerade deshalb unverkennbar die Handschrift des Autors tragen: Hier die satirisch-missmutige Abhandlung eines Ich-Erzählers über seine allzu leicht zu erheiternde Leserschaft ("Was habe ich gelacht"); dort eine mehrschichtige Erzählung über die seltsamen, verschlungenen Wege, die der letzte große Trick eines verstorbenen Zauberers nimmt ("Das Testament des Zauberers Tenor").

Gattungswechsel als Markenzeichen

Für César Aira selbst ist seine literarische Wandlungsfähigkeit eher Pflicht als Kür, wie er sagt: "Autoren mit mehr Selbstbewusstsein schaffen es vielleicht, zu sagen: 'Dieser Text ist mir wirklich gelungen, den nächsten schreibe ich genauso.' Ich bin immer unzufrieden und will es immer beim nächsten Mal anders, also möglichst besser machen."

Das mag als Koketterie betrachtet werden angesichts des großen Ansehens, das Aira weit über den spanischen Sprachraum hinaus genießt. Für ihn selbst hingegen gehe es tatsächlich um die unermüdliche, tägliche Schreibübung, die er auch mit 70 noch beibehalten will. Anstelle des kräftezehrenden Romans bevorzugt er deshalb kürzere, leichtfüßigere Gattungen, in denen man es auch im hohen Alter noch zur Perfektion bringen könne.

Und es scheint, als habe sich Aira das Finden und Entwickeln solcher Gattungen zur schriftstellerischen Lebensaufgabe gemacht. Im vergangenen Frühjahr erschien mit "Prins" seine 101. Publikation in spanischer Sprache, ein weiterer knapper Text, der mit der Verquickung von Realität und Magie, Unvorhersehbarkeit und Überraschung spielt, und dabei wie immer mehr Wert auf eine verblüffende Handlung legt als auf psychologisch ausgefeilte Figuren.

Literatur als Geduldprobe

Diese literarische Eigenheit des Schriftstellers schlägt auch in den beiden Texten "Was habe ich gelacht" und "Das Testament des Zauberers Tenor" durch, etwa wenn Sprache und Figuren vor allem als Ziegel und Zement der fantasievollen literarischen Bauwerke dienen.

Doch so knapp (mit jeweils rund 100 Seiten) die beiden Texte auch sein mögen, so sehr stellen sie die Geduld ihrer Leser auf die Probe. Bis man die Laufrichtung erkennt, den roten Faden aufgenommen hat, braucht es vor allem bei "Was habe ich gelacht" ungewöhnlich viel Zeit.

Mitreißende Einstiege sind César Airas Sache nicht, und auch die vergleichsweise klobige deutsche Sprache nimmt den Texten viel von ihrer originalen Leichtigkeit. Wer allerdings dranbleibt, wird am Ende wie so oft mit ungewöhnlichen und erstaunlichen literarischen Kniffen belohnt.

Service

César Aira, "Das Testament des Zauberers Tenor", "Was habe ich gelacht, aus dem Spanischen von Christian Hansen, Matthes & Seitz

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