Musikkassette und Pistole

ORF

Fake News Blues

Ein Roadtrip in eine verschworene Parallelgesellschaft.

Podcast-Sujet

Das Hörspiel "Fake News Blues" ist die erste fiktionale Podcast-Serie des ORF und wird in Ö1 und FM4 gesendet.

Am Anfang stand die Frage: Worauf muss man achten, wenn man nur fürs Ohr und nicht fürs Auge schreibt? "Erzählen für die Ohren" hieß eine Lehrveranstaltung, die wir zwei Semester lang an der Filmakademie in Wien abhielten. Auch wir bei Ö1 im Bereich Drama wollten digitale Erzählformate ausprobieren. Dazu gehören fiktionale Podcast-Serien, die im Internet gerade einen Boom erleben.

Arbeitstitel "Drecksfunk-Parabel"

Götz Spielmann, österreichischer Filmregisseur und Drehbuchautor, leitet die Drehbuch-Klasse an der Filmakademie. Gemeinsam mit Studierenden haben wir eine dreiteilige Serie entwickelt. Szenisch stark sollte sie sein, erzählt aus der Perspektive der "Digital native"-Generation.

Im Stil eines Writers' Room haben die Autorin Sophia Sixta und die Autoren Felix Kalaivanan, Yannick Reuter und Andreas Schiessler gemeinsam die Folgen von Fake News Blues erarbeitet - von der Auswahl des Genres über das Thema bis zur Entwicklung der einzelnen Folgen und schlussendlich des Titels der Serie. Der Arbeitstitel lautete "Drecksfunk-Parabel", nachdem feststand, dass die Serie eine Mischung aus Roadmovie, Groteske, Dokumentation, Drama, Mystery und Horror werden sollte.

Permanenter kreativer Austausch

Vor allem in der US-amerikanischen Fernsehserienarbeit wird der Writers’ Room genutzt. Dort wird in kurzer Zeit viel Inhalt kollektiv erarbeitet. Nach wie vor wird bei uns dem Konzept, das auf Handwerklichkeit mit klar definierten Regeln und konkreten Vorgaben setzt, wenig Beachtung geschenkt. Wir hängen am Bild des singulären Starautors und der Vorstellung, dass die persönliche Kreativität eingeschränkt wird, wenn mehrere Menschen an einer Geschichte schreiben.

Die Arbeit an "Fake News Blues" hat gezeigt, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Der Prozess war ein permanenter kreativer Austausch, der die Entwicklung relativ schnell zu einem Ergebnis gebracht hat, einem Ergebnis auf Papier, das dann akustisch umgesetzt wurde, in der Regie von Philip Scheiner und mit Musik von Peter Kaizar.

Hannes Duscher, Johannes Silberschneider, Roland Gratzer und Katharina Knap.

Katharina Knap, Johannes Silberschneider, Hannes Duscher (und im Hintergrund Roland Gratzer) bei Aufnahmen im Hof des Wiener Funkhauses.

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Echter Blues gedeiht nicht im warmen Nest

Das klangliche Konzept der Produktion bezieht sich einerseits auf die erwähnten dramatischen Genres. Vor allem sollte der Sound der gediegenen Musikalität herkömmlicher Machart entkommen, sollte statt der Illustration eine Behauptung sein. Es wurde ein Regiekonzept verfolgt, das zu einer nicht theatralischen Rollengestaltung führt. Die naheliegende Persiflage der Protagonist/innen wurde vermieden. Jede der Figuren nimmt sich ernst, der Witz entsteht - allenfalls - im Kopf der Hörerin, des Hörers.

Wo zwei Stärken sich treffen

Aufgenommen wurde zum Großteil außerhalb der Hörspielstudios, in den Gängen des Funkhauses, im Aufzug. Und draußen, bei Minusgraden, bis in die späten Abendstunden. Obwohl im Hörspiel (so auch hier) zwar vieles Fake ist: Echter Blues gedeiht nicht im warmen Nest.

Zwei Stärken des ORF kommen bei dieser Produktion zusammen: Ö1 mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Produktion von international prämierten Hörspielen und FM4 als jüngerer Zielgruppensender für Serienfans, mit starkem Webauftritt und hohem Multiplikationsfaktor. Zudem spielen, neben Sona MacDonald, Katharina Knap und Johannes Silberschneider, zwei FM4-Stars die Hauptrollen: Hannes Duscher und Roland Gratzer. Wir wünschen gute Unterhaltung und freuen uns über Ihr Feedback!

Gestaltung