Humboldt-Statue in Berlin

AP/MARKUS SCHREIBER

Humboldt - Der größte Mann seit der Sintflut

Ö1 Schwerpunkt anlässlich Alexander von Humboldts 250. Geburtstags.

Am 14. September 1869 feierten Zehntausende Menschen rund um den Globus den 100. Geburtstag von Alexander von Humboldt. Dieser, zehn Jahre zuvor verstorben, war für viele, wie der preußische König Friedrich Wilhelm IV. gesagt hat, "der größte Mann seit der Sinnflut". Nach niemandem sonst ist in der Natur so viel bennant: Tiere, Pflanzen, Berge, eine Meeresströmung und sogar ein gebiet auf dem Mond tragen seinen Namen.

Alexander von Humboldt auf einem Gemälde von Friedrich Georg Weitsch aus dem Jahre 1806.

AP/EICHBORN VERLAG

Alexander von Humboldt auf einem Gemälde von Friedrich Georg Weitsch, 1806.

Menschengemachter Klimawandel

Er beeinflusste mit seiner Art, die Welt zu sehen, nicht nur andere Naturforschende, sondern auch Dichter/innen, Künstler/innen und Politiker/innen. Dennoch geriet er im Laufe des 20. Jahrhunderts mehr und mehr in Vergessenheit. Dabei, sind sich seine Biograf/innen einig, ist sein Werk gerade heute von großer Aktualität. Nicht nur, weil er der Erste war, der von menschengemachtem Klimawandel sprach.

Alexander von Humboldt kam am 14. September 1769 in Potsdam bei Berlin zur Welt. Gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm wurde er von Privatlehrern erzogen. Schon früh zog es ihn hinaus in die Welt. Im Juni 1799 endlich war es so weit: Gemeinsam mit seinem Freund, dem Botaniker Aimé Bonpland, brach er Richtung Lateinamerika auf.

Alles hängt mit allem zusammen

Die folgenden fünf Jahre im riesigen Königreich Neuspanien wurden zu einer der ergiebigsten Forschungsreisen der Geschichte. Im Juni 1802 bestieg Humboldt mit seinen Begleitern den Andenvulkan Chimborazo südlich von Quito. Während des Aufstiegs wurde ihm klar, dass in der Natur alles mit allem zusammenhängt.

Zurück am Fuß des Berges begann er die Arbeit an seinem später berühmt gewordenen ersten "Naturgemälde": einer Zeichnung des Chimborazo, darauf eingetragen die Pflanzenfamilien jeweils auf der Höhe, in der sie vorkommen. Daneben zum Vergleich die Gipfelhöhen anderer Berge rund um die Erde und links und rechts jede Menge Messdaten. Die Beschreibung der Vegetationszonen und Luftdrucklinien, wie wir sie heute kennen, geht auf Humboldt zurück

Humboldts Tagebuch während seiner amerikanischen Reise, 1799 bis 1804

Humboldts Tagebuch während seiner amerikanischen Reise, 1799 bis 1804

DPA/STEPHANIE PILICK

1804 kehrte Alexander von Humboldt nach Europa zurück und ließ sich vorerst in Paris nieder. Dank seiner Briefe aus Lateinamerika war er da schon ein berühmter Mann. Er arbeitete rastlos, stellte weitere wissenschaftliche Untersuchungen an, schrieb Briefe und Bücher und zog allabendlich von Salon zu Salon durch die Stadt.

Rückkehr nach Berlin

Nach 20 Jahren in Paris ging er zurück in seine wenig geliebte Geburtsstadt Berlin. Sein beträchtliches Erbe hatte er auf seiner Reise und danach durch die selbst finanzierte Veröffentlichung seiner teils aufwendig produzierten Schriften aufgebraucht

Nun stand er, trotz seiner allseits bekannten republikanischen Gesinnung, im Sold des preußischen Königs, der ihn um sich haben wollte. Nur einmal blieb Humboldt noch für längere Zeit fern von Berlin: Mehrere Monate lang reiste er 1829 durch Russland. Danach begann er seine Arbeit am Kosmos. Aus der ursprünglichen öffentlichen Vorlesungsreihe
wurde ein Werk in fünf Bänden, in denen Alexander von Humboldt versuchte, das gesamte Wissen seiner Zeit zu dem einen großen Bild der Natur zusammenzufassen. Den letzten Band beendete er zwei Wochen vor seinem Tod im Jahre 1859 – in seinem 90. Lebensjahr.

Gestaltung

  • Birgit Dalheimer

Übersicht