Thomas Maurer, Florian Scheuba und Robert Palfrader

INGO PERTRAMER

Wir Staatskünstler: "Jetzt erst recht"

"Wir Staatskünstler" nennt sich bekanntermaßen das Kabaretttrio Florian Scheuba, Thomas Maurer und Robert Palfrader. Punktgenau nach den Wahlen ziehen die Staatskünstler mit ihrem neuen Programm "Jetzt erst recht" am Wiener Rabenhoftheater aktuelle Innenpolitik durch den Kakao - und fantasieren eine österreichische Science-Fiction-Parallelwelt.

Morgenjournal | 03 10 2019

Dorothee Frank

Hot News aus dem Nachwahlgeschehen. Gewohnt staatskünstlerisch hören Scheuba, Maurer und Palfrader das Gras in den Parteizentralen wachsen. Beim tagesaktuellen Wuchtelschieben bekommen unter Lachsalven des Publikums alle Fraktionen ihren Powidl ab.

Kutlurjournal | 03 10 2019 | Das Kabaretttrio im Gespräch

Dorothee Frank

Keine Fraktion wird verschont

"Die Grünen, innerparteilich - natürlich jetzt freuen Sie sich; aber wenn einmal diese Diskussionen losgehen, auf der einen Seite natürlich ist Amphibienschutz in der Grünen Partei ein hohes Gut, auf der anderen Seite müssen sie jetzt einmal üben, die Krot zu fressen …"

Und die Sozialdemokratie leckt ihre Wunden. Sitzung. Versuch, die Schlappe zu analysieren: "Ich glaube, es liegt daran, dass wir unsere Inhalte nicht ausreichend kommunizieren!" - "Äh - welche Inhalte ...?"

"Mutant mit Haarhelm"

Und zum Wahlerfolg von Sebastian Kurz haben die Staatskünstler anthropologische Hypothesen eingeholt. Ist der ÖVP-Obmann in Wahrheit ein Mutant mit Haarhelm? Oder gar ein zweiter Moses?

"Demzufolge würde sich der Name Basti herleiten von dem Bastkörbchen, in dem er aufgefunden wurde. Und dieses Bastkörbchen hat’s angeblich ans Ufer des Donaukanals ang'schwappt - und zwar direkt beim Raiffeisengebäude."

Aus Austria wird Autochtonia

Doch all das ist erst das Vorspiel auf dem Rabenhoftheater. Das Programm "Jetzt erst recht" beamt die Zuschauer bald in eine Science-Fiction-Parallelwelt. Die drei Staatskünstler setzen sich Virtual-Reality-Brillen auf und stellen verzückt fest: Österreich heißt jetzt anders. Wie, verrät die Stimme der KI: "Willkommen in Autochtonia, der ersten durchpatriotisierten Österreich-zuerst-Matrix!"

In Autochtonia reitet Bundeskanzler Kickl vor dem Ausreisezentrum spazieren; der Nationalrat wurde durch einen Senat ersetzt, dem etwa Gaston Glock oder Heidi Horten angehören. Und medienpolitisch? Ja, da hat sich endlich was bewegt. "Habt‘s Ihr das gehört? Servus-TV und FPÖ-TV haben fusioniert! Der Sender heißt jetzt ORF 88!" Auf ORF 88 muss Armin Wolf bei Armin Assinger in der Millionenshow antreten - und fliegt bei der 100-Euro-Frage raus.

Korruptionsgütesiegel. Bedingungslose Grundschmierung. Polopony-Yogalehrer. Doch nicht nur Wortschöpfungsregister werden in "Jetzt erst recht" gezogen. Die Staatskünstler legen auch eine perfekte Sprechchorszene hin.

"Wird man wohl noch sagen dürfen!"

Chorus:
"Wird man wohl noch sagen dürfen!
Wird man wohl noch sagen dürfen!
Wird man wohl noch sagen dürfen! ... usw."

Solo:
"Lieber einen mordsdrum Rausch, als Bevölkerungsaustausch!"

Chorus:
"Wird man doch noch sagen dürfen!
Wird man doch noch sagen dürfen!
Wird man doch noch sagen dürfen! ... usw."

Solo:
"À propos Ursula Stenzel: Lieber Grufti-Uschi statt Mufti-Muschi!"

Neu im Staatskünstlerbund ist ein Großmeister des satirischen Bildes: Gerhard Haderer hat Bilder geliefert, die über Videoscreen ins Programm eingebaut werden. Ansehen kann man sich das bei den Staatskünstlern bis 22. Dezember am Wiener Rabenhoftheater.

Gestaltung

  • Dorothee Frank

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