Saal und Bühne im Porgy & Bess ohne Menschen

PORGY & BESS

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Kultur online: Pay as you wish

Lesungen in sozialen Medien oder Konzerte live aus dem eigenen Wohnzimmer, gestreamt auf Videoplattformen: Das Online-Kulturangebot ist in den letzten Wochen rasant angewachsen. Wem davon in den meisten Fällen wenig oder nichts bleibt, das sind die Künstler selbst. Der Wiener Jazzclub Porgy & Bess und das Homestage Festival, die jeweils nach dem Motto "Pay as you wish" zu ihren kuratierten Veranstaltungen und Konzerten einladen, zeigen Alternativen vor.

The show must go on(line)

Die Show soll zumindest online weitergehen. Am vergangenen Samstag begrüßte Christoph Huber, Leiter des Porgy & Bess, das Publikum zum ersten Streamingkonzert aus dem leeren Jazzclub. "Im komplett leeren Club auf die Bühne zu gehen und die Band anzukündigen, war eine komplett neue Erfahrung", sagt Huber: "Die Atmosphäre ist natürlich eine komplett andere, das war auch für die Musiker anfangs gewöhnungsbedürftig, wobei sie sich dann in diese Atmosphäre fast verliebt haben."

Zum Auftakt der Onlinekonzertreihe spielte das Duo 4675 mit Astrid Wiesinger und Beate Wiesinger. Über 250 Mal wurde das gratis zugängliche Konzert abgerufen, mit potenziell mehreren Zuschauern pro Stream, wobei rund zwei Drittel der Einladung gefolgt sind, einen frei wählbaren Ticketpreis zu bezahlen. Insgesamt sind so knapp über 1.000 Euro zusammengekommen, was die Konzertkosten - die Musiker- und vor allem auch die Technikergagen - deckt. Denn eines sei von Anfang an klar gewesen: "Wenn das Porgy das macht, muss das Ganze ein super Level haben, was Ton- und Bildqualität betrifft!"

Zwei Musikerinnen in einem roten und blauebn Kostüm

Das Duo 4675 - Beate Wiesinger, Bass, und Astrid Wiesinger, Saxofon - eröffnete den Onlinereigen im Porgy & Bess

PORGY ARCHIV

Kostendeckend live, statt aus der Konserve

Als Jazz-Zustellservice hat Huber die Onlinekonzertreihe vorgestellt. Frisch zubereitet statt aus der Konserve. So lange es möglich sei kostendeckend zu übertragen, werde er Livekonzerte dem Öffnen der hauseigenen Konzertarchive vorziehen: "Mit dem Öffnen der Archive passiert grad eh sehr viel. Und nachdem die meisten Musiker grad wirklich überhaupt keinen Job haben, ist das die einzige Möglichkeit, die ich sehe. Die möchte ich auch aus Solidarität der Szene gegenüber ergreifen."

Derzeit stehen zwei Konzerte - jeweils Donnerstag und Samstag - auf dem Programm. Falls die Nachfrage in den nächsten Wochen konstant bleibe, seien ab Mai drei Konzerte pro Woche denkbar.

Festival aus dem Wohnzimmer

Eine positive Bilanz konnte zuletzt auch das Homestage Festival ziehen. Yasmo, Thomas Maurer und Robert Palfrader, Lukas Lauermann oder Mira Lu Kovacs performten Ende März an drei Festivaltagen aus ihren Wohnzimmern. 2.000 - 3.000 Zuschauer waren jeweils live vor den Bildschirmen dabei. Insgesamt wurden die Beiträge, die nach wie vor verfügbar sind, über 40.000 Mal abgerufen.

Der Zugang zu den Festivalstreams war gratis, aber es konnten über eine Crowdfunding-Kampagne auch virtuelle Festivalpässe gekauft werden. Der Erlös: rund 15.700 Euro, der zu gleichen Teilen unter den Künstler/innen sowie dem Veranstalterteam, das auf die üblichen Plattformgebühren verzichtet hat, aufgeteilt wurde. Lisa Wachitz von der veranstaltenden Agentur Raumpioniere rechnet vor: "Es waren insgesamt 22 Programmpunkte, wir haben zwei Tontechnikerinnen gehabt und vier Mitarbeiter im Festivalteam. Es gab auch Künstlerinnen und Künstler, die zugunsten weniger bekannter Kollegen, die härter von der aktuellen Situation getroffen worden sind, auf ihren Anteil verzichtet haben. Und so kann man ungefähr von 600 Euro pro Person sprechen." Eine zweite Ausgabe des Homestage-Festivals ist bereits für den 24. bis 26. April fixiert worden.

Die Bereitschaft, auch im derzeitigen digitalen Überangebot für Kunst und Kultur zu zahlen, ist da - das macht sich auch in den Nutzerzahlen von heimischen Streamingdiensten bemerkbar. Das ORF Klassikportal Fidelio etwa hat seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen einen Zuwachs von 25 Prozent auf über 15.000 registrierte Kunden verzeichnet.

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