Bildcollage mit Frauenporträt und Dreiecken

BÜRO BRAUNER

Die Reparatur der Zukunft

Die aktuelle Staffel beim Casting neuer Ideen.

Unter oe1.orf.at/zukunft wird das Zukunftspotential Österreichs präsentiert. Eingeladen sind 20 bis 30-Jährige in kurzen Videoclips vorzustellen, was sie neu und anders machen. Im Fokus steht eine Generation, für die das Internet niemals neu war und die im Schatten der Erderwärmung erwachsen wurde.

Was ist gefragt?

Innovative Ideen, die heute bestehende Technologien, Dienstleistungen sowie gesellschaftliche und politische Prozesse verändern oder ersetzen sollen und damit zur "Reparatur der Zukunft" beitragen. Ideen, die Probleme erkennen, und Lösungen anbieten: von Klimaschutz, Armutsbekämpfung, bis zu innovativen Businessideen, von privaten Gesprächsrunden, Podcasts, Umweltschutz, Sharing-Initiativen bis zu Forschungsprojekten, von digitalen Apps, Fashion, Lernhilfen, Events, Partys, sozialen Innovationen bis hin zu selbstproduzierten Dingen aller Art. Erlaubt ist alles, was selbstgemacht, selbstorganisiert und selbstgedacht wird.

Das "Radiokolleg" berichtet über eingereichte Projekte, wie die Zukunft im Jetzt repariert werden kann.

Sindbad - Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen

Durch die Vielzahl an unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten wissen viele Jugendliche nicht wohin. Oftmals ist es schwierig, diese Entscheidung alleine zu treffen. Wie "Sindbad" der Seefahrer aus "Tausendundeiner Nacht" will das soziale Unternehmen verschiedene Kulturen, verschiedene Denkweisen und verschiedene Menschen miteinander in Verbindung bringen, indem sie Pflichtschulabschluss-Schüler und junge Berufstätige vernetzen und so die Jugendlichen dabei unterstützen, das "nächste Ufer" zu erreichen. Sei es eine weiterführende Ausbildung oder der Sprung in den Arbeitsmarkt, durch zwischenmenschliche Beziehungen wird der Horizont erweitert und konkrete Chancen für Jugendliche am Weg in die Ausbildung ermöglicht.

Über 1400 junge Menschen waren bereits an Board und die Nachfrage steigt. Denn klar ist: Nicht nur für die Jugendlichen bringt dieses Programm einen großen Mehrwert.

Dorfuni - Ein digitales Bildungsnetzwerk

Menschen sollen an genau dem Ort lernen können, wo sie leben und für dessen Zukunft sie nur gemeinsam sorgen können. Die Wissenden sitzen nicht nur an Universitäten, in Schulen oder den Städten. Sie können auch dort sein, wo aus praktischen Pionierprojekten wertvolle Erfahrung, wirksames Wissen gewonnen wurde, das sich mit anderen teilen lässt. Die Dorfuni ist ein Versuch, eine Kultur des Teilens von Wissen anzuregen und zu entfalten. Denn diese Kultur fehlt in unserer Gesellschaft. Dabei kann erst gemeinsam individuelles Wissen voll ausgeschöpft werden.

Aktuell startet ein Webinar-Zyklus der Dorfuni am 19.Mai um 10 Uhr . Es geht um lokale Resilienz und die Fähigkeit, auf verschiedenste Krisen zu reagieren. Danach geht es immer Dienstag und Mittwoch um 18 Uhr weiter.

Auenweide - Gutes Wohnen fair bezahlt

Die Mieten sind zu verdammt hoch. Deshalb haben sich fast vier Dutzend Erwachsene zusammengetan, damit sie fair wohnen können. Auenweide heißt ihr Projekt. Ein Grundstück zwischen Tulln und Klosterneuburg wurde gekauft, ab Juni werden die acht Mehrfamilienhäuser gebaut, Wärmepumpe, Strom aus der Sonne und nachhaltige Bauweise verstehen sich von selbst. Einziehen werden dann alte Menschen, junge Menschen, solche aus Handwerk, Kunst, Forschung oder Dienstleistung. Und kosten soll das alles monatlich maximal zehn Euro pro Quadratmeter, vermutlich aber deutlich weniger.

Finanziert wird die Auenweide fair und wertgesichert über einen lange ausgetüftelten Verein.

Wurmkiste - Wurmkompostierung für zuhause

Bioabfall ist eine Ressource und soll im natürlichen Kreislauf erhalten bleiben. Mit einer Wurmkiste in der Küche muss keiner mehr den Bioabfall rausbringen und stinkenden Biomüllbehältern ist ein Ende gesetzt. Das Füttern und Beobachten der fleißigen Würmer finden nicht nur Kinder spannend. Allein in Wien sind bereits über 2.500 Wurmkisten in Betrieb. Eine Kompostlösung für Daheim ohne großen Aufwand.

In einem Jahr kann in der Wurmkiste 80 bis 200 Liter Biomüll verwertet werden und ergibt etwa 14 - 30 Liter Wurmkompost. Und ganz nebenbei ist die Holzkiste als Hocker zum Draufsitzen designt.

Erdbeerwoche - Ganz normale Menstruation

Blut ist blau. Jedenfalls dann, wenn es nach Werbungen geht, in denen Binden, Tampons und andere Hygieneprodukte rund um die Menstruation angepriesen werden. Der erste solche TV-Spot mit roter Flüssigkeit ist gerade einmal drei Jahre alt. Die vorherrschende Farbe ist allerdings weiter blau. Die Erdbeerwoche ist dagegen ganz rot.

Dieses Wiener Unternehmen will Normalität und weniger Aufregung rund um das Thema Monatsblutungen sorgen. Dazu gehört es, mit Mythen aufzuräumen, Tipps zu geben, aber auch Unterwäsche, Einlagen oder Menstruationstassen anzubieten, die noch dazu oft Bio sind.

Space and Place - Stadtspaziergang anders

Smells like Wien spirit, Vienna Ugly oder Wien bei Nacht. Die Initiative "Space and Place" will Wiener/innen Wien näherbringen und lädt zum gemeinschaftlichen Lachen ein. Eugene Quinn, Brite und einer der Gründer von "Space and Place", zeigt andere Seiten von Wien und erklärt in seinen Touren, warum man nicht in weit entfernte Länder fliegen muss, um coole Instagram Fotos zu machen.

Für diesen Sommer hat sich space and place etwas ganz Neues überlegt: Tourism for Locals. Zwischen 22. und 29. Juli findet die Vienna Walking Week statt. Zusätzlich zu den Walking Touren organisiert "Space and Place" Wohnstraßen und kulturelle Raumgestaltungen. Alles nach dem Motto: Das Außen der Häuser ist das Innen der Stadt.

Garten der Generationen - Gelebte Gemeinschaft

Der Garten der Generationen in Herzogenburg bei St. Pölten widmet sich dem Thema des gemeinschaftlichen Wohnens. Er ist ein Lebens- und Lernort. Ein Kernpunkt dabei: das Zusammenleben mehrerer Generationen. Menschen jeden Alters können und sollen im Garten der Generationen leben.

Ein Pflegebereich unterstützt bei Pflegebedürftigkeit. Für die Jungen gibt es pädagogische Konzepte und Raum zum Lernen. Und das Gärtnern ist, wie der Name des Projekts vermuten lässt, ein wesentlicher Bestandteil des Miteinanders im Garten der Generationen.

Dahir - Eine sozialverantwortliche Hausverwaltung

Immobilienmakler, Werbefachleute und Politiker liegen am untersten Ende jener Berufe, die in Österreich Vertrauen genießen. Nicht weit davon entfernt dürften sich auch Hausverwaltungen bewegen. Dahir ist dagegen eine Hausverwaltung, die sozial verantwortlich handeln will.

Das Grazer Unternehmen verwaltet Liegenschaften in Gegenden, die als schwierig gelten. Die Bedürfnisse von Mietern sollen dort gleich wichtig sein, wie jene der Eigentümer. Rendite steht nicht an oberster Stelle, sondern gleichwertig ist soziales Handeln.

Artists for Future Austria

Eigentlich hatten die Artists for Future Austria für den 5. Internationalen Klimastreik am 24. April einen Live-Sprechchor vorgesehen, doch als der aufgrund der Pandemie abgesagt wurde, musste umgeplant werden: Im Wohnzimmer sollten Freiwillige ihre Streikparolen rufen und sich dabei aufnehmen. In einer trickfilmartigen Videocollage fand der Sprechchor letztlich auf digitalem Wege statt. Der Kampfgeist der Straßen lässt trotz Corona nicht nach, doch stehen die Demonstrierenden mit den Ausgangsbeschränkungen vor neuen Herausforderungen. Die Kunstschaffenden halten dennoch an ihren Forderungen für gesellschaftlichen Veränderungen fest und planen eifrig an ihren Zukunftsprojekten weiter.

Corona scheint keineswegs Grenzen für die Zukunft zu ziehen, vielmehr den Beweis darzustellen, dass politisch auch anders gehandelt werden kann.

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