Funkhauseingang

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Radiokolleg

Die Welt des Hörens

Die vielen Facetten einer Sinneswahrnehmung.

Manchmal, spät am Abend im Wiener Funkhaus, kann es passieren, dass einem auf dem Weg durchs Stiegenhaus Richtung Ausgang die Klangwelten zweier Radiosender (Ö1 und Radio Wien) entgegentönen, nämlich genau an der Schwelle zwischen zweitem und erstem Stock. Die eine Klangwelle lässt David Bowie über "Heroes" singen, die andere streift einen mit Ballettmusik von Maurice Ravel.
Unser Gehör ist in der Lage, beide Musikstücke in Sekundenbruchteil wahrzunehmen, zu verorten und zu entscheiden, ob es wohlklingend oder eine sogenannte Kakophonie, also Lärm, ist.

Lärm ist das Geräusch der anderen. - Kurt Tucholsky

OHR

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Um überhaupt hören zu können, benötigen wir unsere Ohren, die in drei Bereiche unterteilt sind: das Außenohr, das Mittelohr und das Innenohr. Der Hörbereich des Menschen reicht von 20 Hertz bis 20 Kilohertz. Schallwellen mit Frequenzen unterhalb und oberhalb dieser Werte sind für den Menschen unhörbar. Sie werden als Infra- bzw. als Ultraschall bezeichnet. Im Lauf unseres Lebens nimmt das Hörvermögen kontinuierlich ab. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine reine Alterserscheinung. Auch junge Menschen sind mittlerweile immer mehr von Schwerhörigkeit betroffen.

Schätzungen zufolge leidet in Österreich jeder Fünfte an einer Hörminderung.

Betroffene warten im Schnitt sieben bis zehn Jahre, um etwas dagegen zu unternehmen. Den meisten Menschen, die unter einer Schwerhörigkeit leiden, kann mit Hörgeräten geholfen werden. Als Alternative dazu gibt es auch Hörimplantate. Gehörlose Menschen kommunizieren hauptsächlich mit Gebärdensprache.

Auch Barbara Schuster vom Verein "Kinderhände" kommuniziert lieber mit Gebärdensprache. Das Interview mit Barbara Schuster wird von ihrer Dolmetscherin Anna Reiter übersetzt.

Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) ist eine eigenständige, linguistisch vollwertige und natürliche Sprache.

Die ÖGS hat eine eigene Grammatik und Syntax, die anders ist als die Grammatik der deutschen Lautsprache.

Blinde Menschen nutzen ihren Hörsinn zur Orientierung im Raum. Zum Beispiel mit der Klicksonar-Technik, eine fortgeschrittene Variante der aktiven Echoortung. Diese Methode ermöglicht Blinden, sich gut im Alltag zurecht zu finden und sogar Fahrrad zu fahren oder Klettern zu gehen. Bei der Klicksonar-Technik wird mit der Zunge geschnalzt und so eine Schallwelle produziert.

Juan Ruiz, Trainer der Klicksonar-Technik:

Beim Klicken erhalte ich einen sehr präzisen Eindruck, wo sich bestimmte Objekte in meiner Umgebung befinden. Es hilft mir zum Beispiel dabei, die Türschnalle zu finden.

Jeder Raum hat einen eigenen Ton, eine ganz spezifische Akustik. Tontechniker/innen müssen sich u.s. für Musik- oder Sprachaufnahmen sowie bei Konzertübertragungen intensiv mit Räumen auseinandersetzen. Es geht darum, einen optimalen Klang für die Zuhörer/innen zu erzeugen.

Götz Fritsch, 2018 verstorbener Hörspielregisseur meinte dazu:

Laut und leise sind keine absoluten Begriffe. Ein Wassertropfen ganz nah am Mikro wirkt um vieles lauter als die angestrengteste Brüllerei weit entfernt vom Mikro.

Laut und leise, so Fritsch seien in ihrer Umsetzung demnach keiner naturalistischen Wiedergabe der Realität unterworfen.

Ob wohltuende Klänge, Lärm, Hörproduktionen, Hörakustik, Gehörlosigkeit oder Hörtraining - das "Radiokolleg" beschäftigt sich diese Woche intensiv mit den vielen Facetten dieser Sinneswahrnehmung.

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