Terry Gilliam

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Terry Gilliam wird 80

Risiko statt Routine, das ist seit Jahrzehnten die Devise des britischen Filmregisseurs Terry Gilliam, wenn es um die Realisierung seiner Projekte geht. Die Mitwirkung bei der anarchischen britischen Komikertruppe Monty Python haben Gilliam in den 1970er den Weg für eine eigenständige Karriere bereitet, unter anderem mit Filmen wie "Time Bandits", "Brazil" und "12 Monkeys". Am Sonntag wird Terry Gilliam 80 Jahre alt.

Wenn das Spielerische mit dem Grotesken, das Opulente mit dem Exzentrischen und das Sarkastische mit dem Absurden, wenn also all das auf der Leinwand zusammentrifft, dann befindet man sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Film von Terry Gilliam.

Die Welt aus ihren vermeintlich sicheren Fugen heben, das tut Gilliam am liebsten auf dem Terrain des Märchens: "Die Brüder Grimm habe ich ja schon in jungen Jahren gelesen und ein wenig sehe ich die Welt durch ihre Augen", so Gilliam. Wahrnehmungsmuster, mit denen Gilliam ausgerechnet Märchenklischees gerne in die Mangel nimmt, etwa in "Brothers Grimm" aus dem Jahr 2005: das berühmte Märchen-Brüderpaar als gewiefte Schwindler.

Königsdiener mit Kokosnussschalen

Begonnen hat Gilliam seine Karriere als Cartoonzeichner. Ende der 1960er Jahre schloss er sich der britischen Comedygruppe Monty Python an, lieferte provokante Gags und schräge Trickfilme für deren TV-Show "The Flying Circus". Als Darsteller blieb er eher im Hintergrund. In der Artus-Sagen-Satire "Die Ritter der Kokosnuss" imitierte er 1975 als Königsdiener mit Kokosnussschalen Pferdehufgeräusche.

Der Kleinbürger im Widerstand

Ob Mittelalter oder Düsterkeit mit futuristischem Einschlag, stets sucht Gilliam nach dem Fantastischen, exemplarisch 1985 in seiner dystopischen Groteske "Brazil". Ein Märchen von der Liebe als chemischem Kampfstoff gegen die dunklen Mächte autoritärer Überwachung, der Kleinbürger Sam Lowry im Widerstand. Da gerät eine politische Ordnung außer Kontrolle, eine Traumwelt wird zum Sehnsuchtsort mit Handlungsanleitungen für die Realität, der Mensch kann sich ändern, wenn er zu seinen wahren Gefühlen steht, Motive, die Gilliam später auch in Filmen wie "The Fisher King - König der Fischer", "12 Monkeys" und "The Zero Theorem" variiert. Umgesetzt oft visuell aufwendig und kostspielig.

Ich hasse Genres

"Wenn ich Filme mit nur wenig Geld machen könnte, würde ich ständig arbeiten, aber leider habe Ideen, die gut und gerne 80 Millionen Dollar kosten könnten", bekennt Gilliam offen. Geld, das sich nur auftreiben lässt, wenn man auch bekannte Hollywood-Stars als Projektzugpferde gewinnen kann, von Robin Williams bis Matt Damon, von Johnny Depp bis zu Jeff Bridges. Dennoch, mit Hollywood steht Gilliam auf Kriegsfuß, denn er lasse sich nicht gerne in die dort üblichen Genreschablonen stecken, so Gilliam: "Den Begriff Genre hasse ich geradezu".

Marathon-Don-Quixote

Gilliams künstlerische Waghalsigkeit hat auch Narben hinterlassen. Einige Filme blieben unvollendet, andere brauchten Jahrzehnte, so wie Gilliams Lieblingsprojekt "The Man who killed Don Quixote". Erst 2018 nach 20 Jahren allerlei Widrigkeiten konnte diese Fantasie wirklich werden.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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