Publikum im Kinosaal

APA/HERBERT NEUBAUER

Kinobranche fordert Klarheit & Hilfe

Die Interessengemeinschaft Programmkino hat am Dienstag (12.1.) in einer Aussendung einen Rettungsschirm für alle Kinos gefordert. "Kinos und Kultur werden benachteiligt. Seilbahnen und Gastronomie sind begünstigt", heißt es da.

Generell wird von der Politik Gewissheit gefordert, was die Rahmenbedingungen für einen möglichen Neustart betrifft. Ö1 über die zentralen Probleme einer Branche, die 2020 einen Umsatzrückgang von rund 75 Prozent verzeichnen musste und innerhalb des Kulturbereichs teils eine Sonderstellung einnimmt.

Verständnis für unklaren Zeitplan, gegen "Eingangstests"

Wann geht es wieder los? Unter welchen Rahmenbedingungen - Stichwort Maskenpflicht und Schachbrettmuster. Und bleibt die Ausgangssperre ab 20 Uhr? Es brauche klare Perspektiven und Vorgaben von der Politik, wenn auch allen bewusst sei, dass der Pandemieverlauf die Maßnahmen derzeit mitdiktiert. "Ich würde sagen, die Stimmung ist durchaus problembewusst. Was wir aber schon glauben verlangen zu können, ist Klarheit darüber, wie ein Neustart funktionieren soll und kann", sagt Verleiher und Kinobetreiber Michael Stejskal von der IG Programmkino.

Sie fordert eine flexible Handhabung etwaiger Ausgangsbeschränkungen für Besucher und Besucherinnen von Kulturveranstaltungen und lehnt die sogenannten "Eingangstests" für einen Kinobesuch ab: "Weil es im Kino ja auch sehr gut ausgearbeitete Konzepte gibt. Die Leute sitzen im Schachbrettmuster mit Blick nach vorne. Also ich sehe überhaupt keine Rechtfertigung dafür, dass in den Kinos ein Reintesten nötig sein soll, und in der Gastronomie nicht."

Für den Neustart fehlen die Filme

Dabei seien offene organisatorische Fragen für viele Kinos derzeit nur ein zusätzliches Problem. "Für uns ist das Hauptproblem, dass wir keine Filme haben. Und ich sehe vor Ende März nicht die Chance, dass wir internationale Filme bekommen", sagt Christian Dörfler, Fachverbandsobmann der Kinobranche in der Wirtschaftskammer Österreich. Das gilt vor allem für große Kinoketten, die auf internationale Blockbuster angewiesen sind, in abgeschwächter Form aber auch für den Arthouse Bereich. Denn der heimische Kinomarkt ist eng an den deutschen gekoppelt und solange in Deutschland die Kinos geschlossen bleiben, würden auch kaum neue Produktionen für den Österreich freigegeben werden, so Stejskal.

Für viele Kinos wäre es deshalb aus rein wirtschaftlicher Sicht sinnvoller, wenn es bei der von der Politik verordneten Schließung und dem Anspruch auf Unterstützungsgelder bleiben würde. "Absolut", sagt Christian Dörfler: "Das geht aber leider nicht. Das Thema hatten wir bereits am Ende von Lockdown 1. Aufgrund des Gleichheitsgrundsatzes ist es nicht möglich, dass Theater aufsperren dürfen und Kinos nicht."

Wirtschaftliche Vernunft vs. Verantwortung

Dass eine weitere Schließung in der aktuellen Situation rein wirtschaftlich gesehen, "wahrscheinlich" sinnvoller wäre, dem stimmt auch Michael Stejskal zu: "Wobei wir uns da schon auch verpflichtet fühlen, gegenüber unserem Publikum! " Kino ist nicht gleich Kino. Und das gilt auch für die Auszahlung von Hilfsgeldern, kritisiert Christian Dörfler: "Beim Umsatzersatz hat das sehr unbürokratisch und sehr gut funktioniert. Bei den Überbrückungshilfen, für die wir teils schon im Frühjahr angesucht haben, ist es so, dass die manche Betriebe bekommen haben, der Großteil der Betriebe aber nicht."

Für Verleiher sei die Situation zudem noch einmal schwieriger als für Kinobetreiber, beton Michael Stejskal: "Für die Verleiher hat es ja keinen Umsatzersatz gegeben. Da warten wir auf eine Regelung für indirekt Betroffene, die Ende Jänner kommen soll. Aber ich glaube, dass es ohne ein Hilfspaket für die Kinos nicht gehen kann! Und da müssen dann auch die Verleiher mit dabei sein."

Zum Neustart wird es jedenfalls eine gemeinsame Kampagne aller österreichischen Kinos geben: in allen Bundesländern werden dann Jahrestickets verlost. Gratis Kinobesuche - wann auch immer dies wieder möglich sein wird.

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