Frau scrollt am Handy

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Matrix

Digitale Freundschaftsbörsen

Sie gelten als Basis für das ruhige, verlässliche Lebensglück und viele von uns haben sie im vergangenen Jahr zu wenig gepflegt: Freundschaften.

Mangelnde Möglichkeiten sich physisch Treffen zu können, Stress im Homeoffice, private Sorgen und Ängste haben im Zuge der Lockdowns dazu geführt, dass viele Menschen ihre Freundschaften vernachlässigt haben, erzählt Barbara Rothmüller, Soziologin an der Universität Wien: „Freundschaften sind die Beziehungsform, die am stärksten reduziert worden ist. Im zwei Lockdown betrifft das 71 Prozent meiner Befragten.“

Gleichzeitig wurde laut ihren aktuellen Forschungsergebnissen ein großer Teil der psychosozialen Unterstützung, während der Coronakrise, innerhalb des Freundeskreises geleistet. Dies ist vor allem für gesellschaftliche Minderheiten, die von Diskriminierung betroffen sind, wichtig. Bricht der Kontakt mit Personen aus der Community weg, verschärft sich der psychosoziale Druck.

Kann man wirklich online Freunde finden?

Die Coronakrise erschwert aber nicht nur das Aufrechthalten von Freundschaften, es gibt auch kaum Gelegenheiten neue Leute kennen zu lernen. Zumindest analog, denn digital gibt es gefühlt so viele Angebote wie noch nie. Von Kontaktbörsen für Senioren und Seniorinnen über online Portale für Wanderfreundschaften oder mobilen Anwendungen, die an Dating-Apps erinnern.

Doch wie funktionieren diese digitale Freundschaftsbörsen und kann man wirklich online Freunde finden? Ja, meint Freundschaftsforscher und Psychotherapeut Wolfgang Krüger, denn ob man Menschen online oder offline kennenlernt, sagt nichts über die Qualität der zukünftigen Freundschaft aus.

Doch viele Menschen schrecken die online Angebote im ersten Moment vielleicht ab. Für sie ist es vielleicht ein Zeichen im „echten“ Leben nicht beliebt genug zu sein. Wer jedoch schon einmal in eine fremde Umgebung gezogen ist, ohne soziale Kontakte, weiß wie schwierig es sein kann neue Leute kennen zu lernen und einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Man geht zu Veranstaltungen, versucht Kontakte zu knüpfen, aber irgendwie stimmt die Chemie nicht so ganz. Das kann sich durchaus wie Scheitern anfühlen, ist unangenehm und etwas, worüber man nicht gerne spricht.

Handyscreen, Bumble

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Vor allem für introvertierte Personen von Vorteil

Apps wie MeetUp oder Bumble BFF können dabei helfen in kurzer Zeit viele unterschiedliche Menschen kennen zu lernen und die Kontaktaufnahme erleichtern. Währen man bei Meetup speziellen Themengruppen wie Meditation oder Laufe in Wien beitreten kann, wischt man sich bei Bumble durch unterschiedliche Profile und wartet auf das passende „Match“. Von Vorteil sind diese Angebote vor allem für introvertierte Personen, die sich online vorsichtig an neue Menschen rantasten können, so die Soziologin Barbara Rothmüller.

Doch die Suche nach Freunden ist wie die Suche nach Diamanten. Tatsächlich haben Menschen durchschnittlich drei tiefe Freundschaften. Auch wenn Freundschafts-Apps und Co. dabei helfen können, man muss geduldig bleiben.

Gestaltung: Johanna Hirzberger