Winterlandschaft

APA/MARTIN SCHUTT

Opernabend

Karl Goldmarks Wintermärchen

Um 1900 war Karl Goldmark einer der berühmtesten Komponisten Europas, oft bezeichnet als der letzte musikalische Repräsentant des „Alten Europa“. Doch vom ehemaligen „Goldmark-Kultus“, von dem einst Julius Korngold berichtet hat, ist wenig geblieben. Beim Opern-Festival in Wexford wurde seine letzte Oper „Wintermärchen“ wiederbelebt.

„Karl Goldmark ist seit Richard Wagners Tod und durch Richard Wagners tief empfundenen Einfluss der größte lebende Musikdramatiker geworden“ - so hatte einst Karl Kraus in der „Fackel“ über den Komponisten Karl Goldmark berichtet.

Geboren 1830 in Keszthely und früh auf der Violine ausgebildet, war Goldmark mit 14 Jahren nach Wien gekommen; als Theatergeiger und Klavierlehrer hat er sich hier durchgeschlagen. Er hat zum Freundeskreis von Johannes Brahms gezählt und war regelmäßig zu Gast im Hause des Walzerkönigs Johann Strauß/Sohn.

Erste große Aufmerksamkeit als Komponist konnte Goldmark 1865 mit seiner Sakuntala-Ouvertüre (eigentlich eine symphonische Dichtung) in einem Philharmonischen Konzert in Wien erregen, vor allem aber mit der 1875 an der Wiener Hofoper uraufgeführten monumentalen Oper Die Königin von Saba wurde er weltbekannt.

Der letzte musikalische Repräsentant des „Alten Europa“

Um 1900 war Goldmark einer der berühmtesten Komponisten Europas, oft bezeichnet als der letzte musikalische Repräsentant des „Alten Europa“. Doch vom ehemaligen „Goldmark-Kultus“, von dem einst Julius Korngold berichtet hat, ist wenig geblieben - die Verbannung seiner Werke von den Spielplänen während der Zeit des Nationalsozialismus hat das ihre dazu beigetragen.

Korrekterweise muss man allerdings auch anmerken, dass im Opernbereich dem Komponisten mit der "Königin von Saba" zwar ein zwischen St. Petersburg und New York, immerhin bis ins frühe 20. Jahrhundert nachwirkender Opernwelterfolg gelungen ist, dass er auch noch mit seiner Oper "Das Heimchen am Herd" von 1896 eine gewisse Anerkennung erreichen konnte, aber auch, dass er mit keinem weiteren Bühnenwerk in wirklich durchschlagender Weise reüssieren konnte - weder mit dem in Budapest uraufgeführten "Götz von Berlichingen" (1902), noch mit dem "Wintermärchen" von 1908. Diese Oper nach William Shakespeares Schauspiel The Winter’s Tale war von der Wiener Hofoper äußerst prominent besetzt (unter Bruno Walters Leitung sangen Leo Slezak, Anna Bahr-Mildenburg und Selma Kurz) herausgebracht worden, doch der Erfolg blieb aus - ähnlich wie bei nachfolgenden Aufführungen in Budapest, Frankfurt, Turin, Moskau, Berlin und Brünn.

Das Wintermärchen in konzertanter Form

Eine Wiederbelebung von Goldmarks letzte Oper war bereits 2020 beim Opernfestival im irischen Wexford angekündigt; dieses Festival ist bei Opernfreunden beliebt und bekannt für seine Spielpläne, in denen immer wieder Raritäten wiederzuentdecken sind. Die Corona-Pandemie hatte aber alle diese Planungen zu Nichte gemacht. Im Herbst 2021 konnte Goldmarks Wintermärchen nachgeholt werden, statt als Bühnenproduktion nur in konzertanter Form - und, um allen Sicherheitsbestimmungen zu entsprechen, nicht in der Originalorchestrierung, sondern in einem Arrangement für reduziertes Orchester von Matthias Bucher.

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