Gedanken für den Tag

"Göttliches Spiel auf dem heiligen Rasen - Fußball" von Manuel Rubey

Manuel Rubey ist Schauspieler, Musiker und Fußballfan.

In einer immer komplexer werdenden Welt ist die Sehnsucht nach Halt, nach klaren Spielregeln, nach Messias-Gestalten groß. Fußballfans suchen und finden dies oft auch im "göttlichen Spiel am heiligen Rasen". Schließlich prägen nicht zuletzt archaische und religiöse Strukturen den Fußballsport: Vom Pilgern ins Stadion bis zum "Fußballwunder".

"Perfektion ist Einfachheit", sagte Erwin Steinhauer kürzlich in einem Interview auf diesem Sender. Nirgendwo lässt sich das, meiner Meinung nach, deutlicher veranschaulichen als im Fußball. Wer jemals in der Regionalliga ein Match angeschaut oder selbst Fußball gespielt hat, weiß, dass das, was Lionel Messi macht, zwar unglaublich einfach aussieht, es aber nicht ist. Es ist eine Form der Perfektion, wie sie sich im Irdischen äußerst selten manifestiert. Ich würde sogar so weit gehen, ihn mit Mozart oder Van Gogh zu vergleichen.

Dieser kleine, 22-jährige Argentinier, als Kind mit seiner Familie nach Spanien ausgewandert, da sich die Eltern die Behandlung für den unter Wachstumsstörungen leidenden Buben nicht leisten konnten, von einem Scout des FC Barcelona in einem Fußballkäfig entdeckt, soll Messi auf einer Serviette seinen ersten Vertrag unterschrieben haben. Einige Jahre später, dank der vom FC Barcelona bezahlten Spezialbehandlung immerhin auf fast 1,70 Meter herangewachsen, setzt Messi neue Maßstäbe in dieser bis zum Anschlag kommerzialisierten und analysierten Sportart. Sein Marktwert ist mit 250 Millionen Euro festgeschrieben. Dieser Wert eines Sportlers und damit indirekt auch eines Menschen ist eine der vielen Perversionen im Fußball und gleichzeitig nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Nach dem vier zu eins gegen Arsenal, in einem Spiel, in dem Messi alle vier Tore gemacht hat, sagte sein Trainer Guardiola: "Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen, die kann man nur sehen. Eines Tages werde ich meinen Enkeln sagen: Ich habe Messi trainiert."

Stets ist der Fußball auf der Suche nach einer Gottheit, hat der Schriftsteller Manuel Vásquez Montalbán einmal sinngemäß geschrieben. In Messi hat er ihn gefunden.

Und trotzdem ist König Fußball so einer gerechter Sport. Jeder kann ihn spielen. Überall wird gespielt, es kostet nichts. Und eine bessere Ausrüstung verhilft nicht zu höherem Spielniveau. Ein Sport mit klaren Regeln - wenn wir von der Abseitsregel absehen, aber die gilt auf den Bolzplätzen, den Käfigen und in den Slums dieser Welt sowieso nicht.

Für mich ist Fußball Schauen ein zutiefst befriedigender Zustand. Für 90 Minuten verstehe ich das Leben. Für 90 Minuten erlange ich Kontrolle über das Chaos. Es gibt kein Gestern und kein Morgen. Nur ein Spiel auf dem heiligen Rasen. Und wenn dann auch noch ein Spieler wie Messi auf dem Feld steht, dann ist es auch noch Kunst von Weltrang.

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