Radiokolleg - Die blinde Musikvirtuosin
Porträt der Pianistin und Komponistin Maria Theresia Paradis (2). Gestaltung: Claudia Kuschinski-Wallach
3. August 2010, 09:45
Zu Lebzeiten war die blinde Maria Theresia Paradis (1759 - 1824) eine international gefeierte Pianistin, Komponistin und Musikpädagogin. Heutzutage ist ihr Name nur noch einem Fachpublikum bekannt. Berühmt wurde die Zeitgenossin Mozarts bereits als junge Frau durch den spektakulären Heilungsversuch des damals bekannten Arztes und Heilers Franz Anton Messmer. Die Behandlung endete für Paradis jedoch traumatisch und misslang.
Nichtsdestotrotz wagte sie als junge Pianistin eine dreijährige Konzertreise durch Europa und konzertierte mit Erfolg an den Höfen von London, Versailles, Berlin und Prag. Zurück in Wien wurde sie Komponistin und veröffentlichte sogar ihre Werke, was Frauen zu ihrer Zeit so gut wie unmöglich war. Als reife Frau gründete Paradis eine Musikschule für blinde Mädchen und leistete damit Pionierarbeit. Die Konzerte in ihrem Salon waren ein geschätzter Bestandteil des kulturellen Lebens in Wien, Haydn und Mozart waren gerne zu Gast.
Berühmte Künstlerinnen und Künstler bewunderten jedoch nicht nur Paradis' musikalisches Talent, sondern ihre Persönlichkeit, kraft derer sie auch bahnbrechende Initiativen für blinde Frauen und Männer in Gang brachte. Paradoxerweise ermöglichte ausgerechnet ihre Behinderung Paradis einen Sonderstatus als Frau, der sie außerhalb einengender Konventionen stellte. Maria Theresia Paradis gelang es, ihre vielfältigen künstlerischen Neigungen in einem Maß auszuleben, wie es anderen hochbegabten Zeitgenossinnen wie zum Beispiel Anna Maria Mozart nicht möglich war.
Service
"Maria Theresia Paradis
Mozarts berühmte Zeitgenossin"
Marion Fürst. Böhlau Verlag
"Am Anfang war die Nacht Musik".
Alissa Walser. Roman. Piper Verlag
CD Tipp:
FEMUSICA
Frauen um Mozart
DDD Digital Recording 2007
In Kooperation mit der Koordinationsstelle für Gleichstellung und Gender Studies an der Universität Mozarteum
