Gedanken für den Tag
"Staunen über das Leben" von Klaus Küng, römisch-katholischer Bischof der Diözese St. Pölten
20. August 2010, 06:57
Das Betrachten der verschiedenen Phasen dieses Lebens vom Tod bis zurück in den Mutterbauch lehrt das Staunen, setzt man sich ein wenig genauer mit den Lebensstufen auseinander. Was können Alter und Kindheit, Erwachsensein, Tod und vorgeburtliches Leben über den Menschen erzählen? Was sagt es über die Welt oder den letzten Sinn? Verweist dieses Leben auf etwas Größeres?
Diesen Fragen geht der St. Pöltner Bischof Klaus Küng nach, der in der österreichischen Bischofskonferenz zuständig ist für Bioethik, Ehe und Familie.
Wenn ich ein Kind sehe, versuche ich manchmal, mich an meine eigene Kindheit zu erinnern. Wie viel intensiver waren alle Gerüche, alle Empfindungen; wie wunderbar und absolut erstrebenswert ein Geschenk, ein Spielzeug, ein gewünschtes Haustier oder etwas anderes. Ich sehe auch heute noch oft bei Kindern diesen Blick, diese Augen, die von der Welt nur Wunderbares erwarten, die noch alles glauben, alles hoffen, alles lieben können.
Ist diese Haltung zu naiv in einer zunehmend zynisch gewordenen Welt? In der die letzten Wunder vom Licht des Fortschritts, des Internets nach und nach vertrieben worden sind? Darauf antworte ich mit einem klaren Nein. Der Blick des Kindes auf die Welt hat sein Recht, ja, ist etwas Heiliges. Es ist nicht nur sentimental, wenn man sich danach sehnt. So zu werden wie die Kinder: Ein Ideal, zu dem Jesus die Menschen einlud. Das Kind hat noch auf natürliche Weise den Blick, der sich für Gott öffnen kann. Das ist eine Eigenschaft, um die Erwachsene mühsam kämpfen müssen. Auch so gesehen ist ein Kind ein Wunder, etwas Erstaunliches.
Ich möchte nicht beim Staunen stehenbleiben. Ich versuche täglich, ein wenig von diesem Blick in mein eigenes Leben hereinzuholen.
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