Radiogeschichten

20100901Ö1 11.4012.000/P31/069Roland Knie

"Bericht von der Himmelfahrt einer Stadt" und "Vera". Zwei Geschichten von Jiri Kratochvil. Aus dem Tschechischen von Johanna Posset. Es liest Peter Faerber. Gestaltung: Roland Knie

Wenn einer wie Jiri Kratochvil - einer der bedeutendsten Prosaisten Tschechiens und Träger des Jaroslav-Seifert-Preises - als Kind noch die Schrecken des totalen Krieges erlebt hat (Kratochvil ist Jahrgang 1940) und bald danach die eines totalitären Regimes, dann hat er was zu erinnern. Und Kratochvil beschreibt, auf welche Weise diese Erinnerungen ihn, der nun all diese siebzig Jahre in "seiner" Stadt Brünn lebte, zu überfallen versuchen: Als Bilder im Kopf des Luftschutzkeller-Kindes, das die Welt nicht versteht und doch genau weiß, was es sieht, hört und spürt. Oder als intellektuelle Täuschungen des Erwachsenen, als Zeitverschiebungen, ja, Umkehrungen, als groteske Filme im Kopf des Erwachsenen, die rückwärts laufen, so dass die kommunistischen Forschrittler auf einmal nach hinten marschieren und sich die Parolen ganz von allein lächerlich machen ...

Jiri Kratochvils Erzählkunst ist - wie die vieler seiner Generationskollegen - merkbar an dem Öffentlichkeitsverbot nach 1968 und den Fährnissen des illegalen Publizierens geschult.

Hätte es die Kunst der Satire nicht längst gegeben - die tschechischen Autoren jener Jahre hätten sie erfunden. So taten sie's eben, fünfzig Jahre nach Schweijks Geburt, aufs Neue ...

Service

Jiri Kratochvil, "Bericht von der Himmelfahrt einer Stadt" und "Vera" aus "Brünner Erzählungen", Braumüller Literaturverlag, Wien 2009

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