Gedanken für den Tag
"Oh Lord won't you buy me" - Janis Joplin, Ikone der Hippiebewegung. Von Michael Krassnitzer
6. Oktober 2010, 06:57
Michael Krassnitzer ist Journalist in Wien.
Vor 40 Jahren starb die Rocksängerin Janis Joplin. Sie war eine Kultfigur der Blumenkinder. Ihr Leben war kurz und unglücklich. Auch die Zeit der Hippies ist längst vorbei, doch Janis Joplin hinterließ eine Handvoll Songs, die nach wie vor bewegen und inspirieren. Bis heute gilt sie vielen als die beste weiße Blues-Sängerin der Welt.
"Lord", immer wieder "Lord": Janis Joplin scheint in ihren Liedern häufig Gott anzurufen. Soweit man weiß, war die Rocksängerin nicht sonderlich religiös. Aber Janis Joplin hat ihren Gesangsstil der Musik der Afroamerikaner, dem Blues und dem Soul, entlehnt - und dort ist Gott ein ständiger Gast.
Die Hippies, deren Ikone Janis Joplin war, störten sich nicht daran - im Gegenteil. Die Wiederbesinnung auf Religiöses war nämlich ein wesentlicher Zug dieser Jugendkultur. Anders als andere Jugendbewegungen waren die Hippies auf der Suche nach Spiritualität. Im Christentum, in Naturreligionen, in fernöstlichen Lehren wie Buddhismus oder Hinduismus sahen sie Wege, um aus der von ihnen abgelehnten Gesellschaftsordnung auszubrechen. Teile der alten Religionen, so glaubten die Hippies, könnten die Grundlagen eines neuen Zeitalters des Friedens, der Liebe und der Humanität werden.
Auch wenn die Hippies heute so gut wie ausgestorben sind: Der Esoterik-Boom in der westlichen Welt geht direkt auf sie zurück. Die "Wiederverzauberung der Welt" - wie einmal ein Buchtitel in Anspielung an Max Weber lautete - ist das Erbe der Hippies.
Dass Esoterik zunehmend zu einem Geschäft, einem beliebigen "Supermarkt der Spiritualität" geworden ist, würde einem Hippie, meine ich, gegen den Strich gehen. Und erst recht Janis Joplin. Sie würde heute wahrscheinlich nicht mehr singen "Herr, kauf mir doch einen Mercedes Benz", sondern: "Herr, kauf mir doch ein transzendentales Erlebnis."
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