Gedanken für den Tag

"Oh Lord won't you buy me" - Janis Joplin, Ikone der Hippiebewegung. Von Michael Krassnitzer

Michael Krassnitzer ist Journalist in Wien.

Vor 40 Jahren starb die Rocksängerin Janis Joplin. Sie war eine Kultfigur der Blumenkinder. Ihr Leben war kurz und unglücklich. Auch die Zeit der Hippies ist längst vorbei, doch Janis Joplin hinterließ eine Handvoll Songs, die nach wie vor bewegen und inspirieren. Bis heute gilt sie vielen als die beste weiße Blues-Sängerin der Welt.

"Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, dass man nichts mehr zu verlieren hat", singt Janis Joplin in dem Song "Me and Bobby McGee". Zwar hatten schon andere das Lied vor ihr gesungen, doch berühmt wurde es in ihrer Interpretation.

Der Song ist die Hymne auf Freiheit und Ungebundenheit schlechthin geworden. Sobald irgendwo ein Lagerfeuer entzündet wird, findet sich auch jemand, der mit Gitarrenbegleitung "Me and Bobby McGee" anstimmt.

Doch das ist meiner Meinung nach ein Missverständnis. Freilich, das Lied handelt von einem Mann und einer Frau, die als Tramps durch Amerika ziehen und ihrem Gefühl der Freiheit. Doch es gibt darin auch diese Bitterkeit, die einen wirklich großen Song ausmacht. Und Janis Joplin bringt den Zwiespalt zwischen schönem Traum und rauer Wirklichkeit perfekt zum Ausdruck.

Denn eines Tages gibt der so schön den Blues singende Bobby McGee einem Zuhause den Vorzug und lässt seine Geliebte alleine zurück. Bevor er also die zweifelhafte Freiheit des Vagabundenleben aufgibt, treibt er seine Freiheit auf die Spitze: Totale Ungebundenheit bedeutet eben nicht nur, sich von allen gesellschaftlichen Konventionen gelöst zu haben, sondern auch keine festen Bindungen einzugehen.

Ich habe die Erfahrung gemacht: Freiheit ist oft nur ein anderes Wort dafür, für nichts und niemanden verantwortlich sein zu wollen.

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