Hörspiel-Studio

Literarische Landvermessungen von Peter Rosei. Zweite Station: "Nachricht von Europa. Europa". Mit Helmut Bohatsch, Harald Harth, Rupert Henning, Markus Meyer, Dorothee Hartinger, Rafael Schuchter, Valentin Marginter, Sabine Haupt u. a. Regie: Renate Pittroff

Was für ein Gefeilsche, was für ein Gehaue. Einerseits wollen alle, andererseits fürchten Politiker das eigene Wählervolk. Zudem war ja Europa schon immer sehr verschieden. Denn was bitte sollen Lappländer mit Sizilianern gemeinsam haben? Wie kommt Österreich dazu für den griechischen Pallawatsch zu bezahlen? Von der Türkei wollen wir erst gar nicht reden.

"Ein Haufen zimperliche Kleinbürger", sagt der aus der Literaturgeschichte bestens bekannte "Neinsager" in Peter Roseis neuem Stück, "das sind die Europäer. Ein Pack von Krämerseelen, von fiependen Mäusen, von bigotten Weihrauchbrüdern, von hochgemuten Obskuranten, von nebbichen Schwindlern, Fantasten und Luftikussen - und was es sonst noch an lauwarmen, knieweichen, kleinkarierten, denkfaulen und ganz und gar liebenswürdigen, wohlgewaschenen, gut erzogenen, bösartigen oder handzahmen Kreaturen auf dieser lustigen, skurrilen Halbinsel, diesem letzten, zerklüfteten Ausläufer Asiens alles so gibt."

Aber ganz so schlimm, meint Peter Rosei, ist es denn dann doch wieder nicht um das europäische Projekt bestellt. Wie stets in seinen literarischen Landvermessungen ruft der reisende Dichter eine Reihe kompetenter Kollegen in den Zeugenstand: Robert Musil z. B. oder Marcel Proust, James Joyce, Adalbert Stifter, Karl Marx, Martin Buber, Knut Hamsun oder John Keats.

Genau 60 Jahre ist es mittlerweile her, dass der erste Vorläufer der Europäischen Union Gestalt anzunehmen begann. Am 18. April 1951 wurde durch den Vertrag von Paris die EGKS gegründet, die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Genau sechs Mitglieder hatte sie damals. So gesehen sind wir heute schon ein wesentliches Stück weiter (Produktion ORF 2011).

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