Tonspuren

Kopfbahnhof und Bürgerwut oder Wie der österreichisch-deutsche Krimiautor Heinrich Steinfest zum Akteur gegen Stuttgart 21 wurde. Feature von Eva Schobel

Heinrich Steinfest, Krimi-Autor von Gnaden und als solcher mit dem Heimito-von-Doderer-Literaturpreis 2010 ausgezeichnet, ist in Wien aufgewachsen, lebt aber seit Jahren in Stuttgart. Dort ist er zum weltoffenen Lokalpatrioten geworden, der die Weinberge, das Neckartal, den ehrwürdigen Schlosspark mit uraltem Baumbestand und nicht zuletzt den denkmalgeschützten Kopfbahnhof zu schätzen weiß.

Wie viele seiner Mitbürger hielt er Stuttgart 21, ein Megaprojekt, durch das der Hauptbahnhof unter die Erde verlegt werden soll, für ein unfinanzierbares Phantom. Als die ersten Bäume im Schlosspark unter Polizeischutz gefällt wurden, merkten die Einwohner der Stadt, dass was in der Unterwelt passiert, auch ihre Oberwelt betrifft. Steinfest war und ist dabei, wenn sich die Zivilgesellschaft gegen den Deal von Macht, Geld, Politik und Bauwirtschaft zur Wehr setzt. Als Autor kämpft er aber auch mit den Mitteln der Sprache. Sein Stuttgart-21-Roman "Wo die Löwen weinen" ist der erste Krimi, den er nicht erfinden musste.

Nach einer Lesung in Wien fährt Heinrich Steinfest zu einer Lesung in Stuttgart. Mit dem Zug. Von Kopfbahnhof zu Kopfbahnhof.

Sendereihe