Hörspiel-Studio

"TACET (RUHE 2)". Von Paul Plamper. Mit Angelika Sautter, Matthias Einhoff, Matthias Matschke, Judith Engel, Julian Kamphausen u. a. Regie: der Autor

In einer musikalischen Partitur zeigt ein "Tacet" den Musikern an, dass sie ihr jeweiliges Instrument bis zum Ende des laufenden Abschnitts beiseite legen können. Er, sie oder es schweigt, heißt "tacet" im Lateinischen. Und sie, eine Frau, schweigt auch in Paul Plampers gleichnamigem Hörspiel.

Eines Tages hat sie zu sprechen aufgehört. Ein Krankheitssymptom oder der Beschluss, sich zu verweigern? Um die schweigende Leerstelle schart sich allmählich ein Panorama von Stimmen. Aus den Reaktionen ihres Umfelds lassen sich die Vorgeschichte und Gründe für ihr Schweigen heraushören. Die Redenden legen der Frau Worte in den stummen Mund, versuchen sie mit immer neuen Methoden zum Sprechen zu bringen. Therapeuten werden bemüht. Doch die Frau, die stumme Hauptdarstellerin, richtet sich ein in ihrem Schweigen. Je länger sie ihre Ruhe wahrt, desto nachdrücklicher scheint sie den Sinn von Sprache und Gemeinschaft infrage zu stellen. Ihre Mitwelt empfindet das Schweigen zunehmend als Bedrohung, als stummen und beklemmenden Protest (Produktion WDR 2010).

"TACET" ist eine raffinierte und bewusst mit dem Medium Radio spielende Versuchsanordnung - und die Fortsetzung von Paul Plampers Auseinandersetzung mit verschiedensten Formen von Ruhe. In "RUHE 1" ging es um einen plötzlichen Moment von Stille als Ausdruck kollektiver sozialer Starre. Die Arbeit wurde mit dem renommierten "Hörspielpreis der Kriegsblinden" ausgezeichnet.

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