Gedanken für den Tag
von Hedwig Pirker-Partaj. "Über Familie und andere Heimsuchungen"
7. Dezember 2011, 06:56
Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein Dorf. Um Gott auf der Erde zu empfangen, müssen die Menschen zusammenarbeiten. Wenn viele den Himmel hochhalten, wird keiner müde, heißt es in Sprichwörtern. Hedwig Pirker-Partaj ist Pfarrerin der evangelischen Gemeinde in Leonding und Autorin des Kalenders "Schatzsuche", der (Bibel-)Texte für jeden Tag hinterfragt. In den "Gedanken für den Tag" in der zweiten Adventwoche erzählt sie ungewöhnliche Familien- und Menschheitsgeschichten - von der Zeit Jesu bis heute.
Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer
"Fürchte dich nicht"
Ein Mann, der als Jugendlicher an Krebs erkrankt war und auch einige Chemotherapien durchmachen musste, sagte mir einmal: Das Schlimmste waren nicht die Schmerzen oder die Nebenwirkungen der Chemo - sondern die Angst. Auch wenn die Bedrohung vielleicht nicht so konkret und greifbar ist, wie in diesem Fall - Angst und Furcht vor allem möglichen, das kenne ich auch aus meinem eigenen Leben. Der amerikanische Dichter Ralph Waldo Emerson hat einmal gemeint: "Furcht besiegt mehr Menschen als irgendetwas anderes auf der Welt."
Die Angst ist zwar lebensnotwenig - sie bewahrt vor vielen Gefahren, aber sie macht manchmal auch das Leben unnötig schwer.
Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückschaue - dann denke ich mir: Wie viel leichter wäre es gewesen, wenn ich nicht auch noch so viel Angst gehabt hätte. Sicher - Trauer, Einsamkeit und Schmerzen hätte ich trotzdem durchleben müssen, es wäre nicht alles heil gewesen, aber die Angst war oft die größte Herausforderung.
In großen Teilen der Welt wird morgen das katholische Fest "Maria Empfängnis" begangen - und sei es nur als freier Tag. Wenn es bei diesem Festtag zwar um die Empfängnis der Maria von Nazareth selbst geht, um ihre "Erwählung" sozusagen, so ist in der Bibel doch gerade rund um die Empfängnis ihres Sohnes zu lesen: Gott hat dieser Maria einiges zugemutet und die Angst vor der Zukunft war ihr auch nicht fremd. Aber ein Engel habe ihr Mut zugesprochen: "Fürchte dich nicht!" Maria erschrickt trotzdem - und es war auch eine furchtbare Nachricht für sie - die sie dann zu hören bekommt. Für eine unverheiratete Frau wie Maria konnte eine Schwangerschaft bedeuten, dass sie ihre Familie verlassen und als Prostituierte arbeiten musste. Ein Kind, zum falschen Zeitpunkt und unter den denkbar schwierigsten Umständen. Aber diese Maria, von der die Bibel erzählt, hat auch das "Fürchte Dich nicht" gehört - und das hat ihr die Kraft gegeben, sich dem Wagnis dieser Familie, die so gar nicht den damals üblichen Normen entsprochen hat, zu stellen. "Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern die Angst zu überwinden", heißt es in einem Sprichwort und ich nehme mir vor, selber öfter zu hören auf dieses: "Fürchte dich nicht".
Service
Buch, Hedwig Pirker-Partaj, Schatzsuche. Kalender für das ganze Jahr von Dezember bis November, Verlag Ennsthaler
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Sendereihe
Playlist
Titel: GFT 111207 Gedanken für den Tag / Hedwig Pirker-Partaj
Länge: 03:49 min
