Gedanken für den Tag

Von Stephan Schulmeister. "Geld, Krise und Gemeinschaft". Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer

Genau zehn Jahre nach der Einführung des Euro als alleiniges Zahlungsmittel in vielen Ländern Europas macht sich der Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister Gedanken über den Widerspruch zwischen den Grundwerten der Bürgerinnen und Bürger in der EU sowie ihren Erwartungen an die Politik und der politischen Praxis andererseits.

Die Vertiefung der Krise wird die Spannungen innerhalb der EU erhöhen, insbesondere der Lehrmeister Deutschland wird unter Beschuss geraten - zumal Deutschland von "den Märkten" mit niedrigen Zinsen belohnt wird, die meisten anderen Länder aber mit unbezahlbaren Zinsen bestraft werden.

Angesichts deutscher Strenge werden in Griechenland, Italien, Frankreich Erinnerungen wach, was Deutsche und Österreicher vor 70 Jahren in ihren Ländern angerichtet haben, im wiedererstarkten Deutschland brandmarken dies national-populistische Meinungsmacher als Unverschämtheit.

Ein Gegeneinander von Ländern ist typisch für schwere Krisen. Dem vorzubeugen war Hauptmotiv für die Gründung der Europäischen Gemeinschaft. Gleichzeitig hat aber die Politik der EU selbst jene Komponente des europäischen Modells geschwächt, welche die Bürgerinnen und Bürger am meisten schätzen: die Sozialstaatlichkeit.

Die Enttäuschung, dass sich das gemeinschaftlich Europäische auf den Markt, die Währung und die Schuldenbremse reduziert, wird von Rechtspopulisten erfolgreich auf ihre Anti-EU-Mühlen gelenkt.

Unter diesen Bedingungen könnte das Scheitern des Euro nur ein Zwischenschritt im Prozess der europäischen Des-Integration sein.

Die Eliten werden diese Gefahren nur erkennen, wenn sie auch anteilnehmend denken, also bei allen medienwirksamen Formeln wie den "guten" Schuldenbremsen oder den "schlechten" Substanzsteuern die konkrete Betroffenheit der Menschen mitdenken, von Unternehmern, Arbeitnehmern und den atypisch Beschäftigten, bis zu den Jungen ohne Berufschancen. Dazu muss man sich nicht volksdümmlich aufführen, sondern konkrete Informationen sammeln und sich vorstellen wie es einem selbst in einer solchen Lage ginge.

Anteilnehmendes Denken setzt Mut und Kreativität frei, es ermöglichte Politikern wie dem US-Präsidenten Roosevelt, in einer schweren Krise neue Wege einzuschlagen. Dazu von ihm ein Gedanke für den Tag: "Unser Fortschritt wird nicht daran gemessen, ob wir den Überfluss derer, die viel haben, weiter vermehren, sondern daran, ob wir genügend für jene bereitstellen, die zu wenig haben."

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Titel: GFT 120209 Gedanken für den Tag / Stephan Schulmeister
Länge: 03:50 min

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