Hörspiel-Studio

"Peymannbeschimpfung." Von Helgard Haug und Daniel Wetzel (Rimini-Protokoll). Mit Claus Peymann, Bärbel Noack, Rolf Otto, Alexander Tamburlini, Margarita Broich, Manfred Rommel u.a. Regie: die Autoren

Es war ein ausgewachsener Skandal. 1977 ließ Claus Peymann, damals Schauspieldirektor in Stuttgart, per Aushang am Schwarzen Brett für Zahnbehandlungen der in Stammheim inhaftierten RAF-Terroristen Geld sammeln. Was, so Peymann, als humanitäre Geste gedacht war - schließlich haben auch Terroristen Zähne -, führte schließlich zu seiner Demission. 1979 verließ Peymann Stuttgart und übernahm die Intendanz am Schauspielhaus Bochum.

30 Jahre später rollen Helgard Haug und Daniel Wetzel, die unter dem Namen "Rimini-Protokoll" seit Jahren die Hörspiel- wie auch die Theaterszene mit ihren Projekten aufmischen und bereichern, die Ereignisse von damals abermals auf. Vor allem konfrontieren sie Claus Peymann mit den waschkorbweise eingelangten Protestbriefen und Beschimpfungen, die der bekanntlich nicht ganz uneitle Theatermacher mit hörbarem Genuss liest, zitiert und zelebriert. Auch beschimpft zu werden ist schließlich eine Art von Zuwendung. Und ein gewisser Hang zur lustvoll inszenierten Provokation war dem späteren Wiener Burgtheaterdirektor ja noch nie abzusprechen.

Am 7. Juni feiert Claus Peymann seinen 75. Geburtstag. In Anlehnung an Peter Handkes "Publikumsbeschimpfung" gratuliert die Hörspielredaktion von Ö1 mit einer "Peymannbeschimpfung". Den Jubilar, so wie wir ihn kennen, wird's mit Gewissheit freuen.
DLR 2007

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