Radiokolleg - Macho ade

Die Feminisierung der Gesellschaft
(1). Gestaltung: Gerhard Pretting

Zum einem gibt es die Einkommensschere zwischen Mann und Frau und eine gläserne Decke, die es Frauen erschwert, an die Spitze von Unternehmen zu gelangen. Aber ebenso gibt es in unserer Gesellschaft immer mehr Bereiche, in denen der Einfluss der Frauen zunimmt. So sind Kindergarten und weite Teile der Schule fest in Frauenhand.

Der dänische Familientherapeut und Bestsellerautor Jesper Juul beklagt genau das. Viele weibliche Pädagoginnen könnten mit der natürlichen Aggressivität von Buben nicht umgehen, sagt er und würden deshalb das normale Verhalten von Buben als abweichend sehen und es bestrafen.

Einen regelrechten "Krieg gegen Buben" machte die Autorin Christina Hoff Sommers bereits im Jahre 2001 aus. Es sei eine schlechte Zeit, um als Junge in den USA aufzuwachsen, schrieb sie. Denn obwohl immer weniger männliche Jugendliche das College besuchen, stehe stets das "fragile Mädchen" im Vordergrund.

"Buben haben keine Lobby" konstatierte die Wiener Stadtzeitung "Falter". Und das, obwohl 64 Prozent der österreichischen Sonderschüler männlich seien, aber nur 43 Prozent der Maturanten und nur noch 40 Prozent der Studienanfänger.

Auch in anderen Bereiche werden Männer mehr und mehr zur Ausnahme. Vor Gericht zum Beispiel. In den letzten Jahren sei der Anteil an weiblichen Richtern in der Bundesrepublik Deutschland auf 30 Prozent gestiegen, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung; im Bezirk des Oberlandesgerichts Düsseldorf betrage er bereits 50 Prozent - Trend weiter steigend. In Österreich sieht es nicht anders aus.

Eltern wünschen sich in den westlichen Ländern heute lieber ein Mädchen statt einen Sohn, schreibt der Zukunftsforscher Matthias Horx in seinem Buch "Das Megatrend Prinzip" und macht gleich den "Megatrend Frauen" aus.

Und wie geht es den Männern zu Beginn des 21. Jahrhunderts, das als "Jahrhundert der Frauen" bezeichnet wird? Nicht besonders gut. Er sei um die Zukunft des Mannes besorgt, meint zum Beispiel Dan Abrams, der in seinem Buch "Man Down" erklärt, warum Frauen unter anderem bessere Polizisten, bessere Politiker und bessere Hedgefonds Manager sind. Und der deutsche Autor Ralf Bönt veröffentlichte soeben sein "notwendiges Manifest für den Mann" das den Titel "Das entehrte Geschlecht" trägt.

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Literatur:
Josef Christian Aigner + Tim Rohrmann (Hg.): Elementar - Männer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern. Budrich Verlag, 2012
Ralf Bönt: Das entehrte Geschlecht - Ein notwendiges Manifest für den Mann. Pantheon Verlag, 2012
Cordelia Fine: Die Geschlechterlüge - Die Macht der Vorurteile über Frau und Mann, dt. von Susanne Held. Klett -Cotta, 2012
Matthias Horx: Das Megatrend Prinzip - Wie die Welt von morgen entsteht. DVA, 2011
Christina Hoff Sommers: The War Against Boys: How Misguided Feminism Is Harming Our Young Men. Simon & Schuster, 2001

Ralf Bönt: Mutter Macht - Wem gehören die Kinder? Hier endet die Gleichberechtigung der Männer, Die Zeit 23.03.2012
Manfred Brandfellner: Bubenarbeit - ein vernachlässigtes Thema im Fach Bewegung und Sport
Stefan Löffler: Buben haben keine Lobby, Falter- Heureka Magazin 03/05
Nina Pauer: Die Schmerzensmänner, Die Zeit 06.01.2012
Josef Christian Aigner, Michael Kuttner und Dietmar Knitl: Studienabbruch von Männern in der Volksschullehrer-Ausbildung: Faktoren, Gründe, Motive
Gerlind Weber + Tatjana Fischer: Gehen oder Bleiben? Die Motive des Wanderungs- und Bleibeverhaltens junger Frauen im ländlichen Raum der Steiermark
Birgitt Haller, Anton Pelinka, Nikolaus Dimmel: Richterinnen und Richter in Österreich - Eine justizsoziologische Untersuchung

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