Hörspiel-Studio

"Vier Lehrmeister". Von Liao Yiwu. Aus dem Chinesischen von Hans Peter Hoffmann, Brigitte Höhenrieder und Martina Hasse. Bearbeitung: Hilke Veth. Komposition: Liao Yiwu. Mit Martin Engler, Sascha Icks, Horst Mendroch, Heinrich Giskes, Lisa Hagmeister und Mirko Kreibich. Regie: Andrea Getto

Der Hunger, die Schande, die Obdachlosigkeit und das Gefängnis - das seien seine Lehrmeister, formuliert der chinesische Dichter und Musiker Liao Yiwu in einer Rede, die er
vor dem unabhängigen chinesischen PEN-Zentrum 2007 halten sollte, aber nicht konnte.

Der Hunger, die Schande, die Obdachlosigkeit und das Gefängnis sind auch die Erfahrungen vier seiner Interviewpartner in der Gesprächssammlung "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser. Chinas Gesellschaft von unten". Ein Leichenschminker erzählt von seinen Erlebnissen während der großen Hungersnöte, ein Leprakranker vom Ausgestoßensein aus der Dorfgemeinschaft, das 18-jährige "Fräulein Hallo" erzählt von Männerbekanntschaften und von ihren Lieblingsstars, ein Ausbrecherkönig berichtet von seinem Versuch aus dem Gefängnis zu fliehen. - Collagiert mit Gedichten, die der Autor bei einem Besuch in Deutschland im Herbst 2010 im Studio vortrug, werfen die Texte ein Schlaglicht auf die kollektiven Traumata Chinas.

Am 14. Oktober wird der 54-jährige Liao Yiwu in der Paulskirche in Frankfurt mit dem renommierten Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Liao habe, so heißt es in der Begründung des Stiftungsrats, "in seinen Büchern und Gedichten den Menschen am Rand der chinesischen Gesellschaft ein aufrüttelndes literarisches Denkmal gesetzt. Der Autor, der am eigenen Leib erfahren hat, was Gefängnis, Repression und Folter bedeuten, legt als unbeirrbarer Chronist und Beobachter Zeugnis ab für die Verstoßenen des modernen China." (NDR 2011)

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