Tonspuren

Von der Wiege bis zur Bahre Stress und Alkohol. Der Schriftsteller und "Borderline-Journalist" Joachim Lottmann. Feature von Claudia Gschweitl

Jahrelang behauptete Joachim Lottmann hartnäckig, die deutsche Popliteratur miterfunden zu haben - und mittlerweile glaubt man ihm.

Sein anfangs verrissener Debütroman aus 1987 "Mai, Juni, Juli" wurde 16 Jahre nach Erscheinen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu einem der wichtigsten deutschen Bücher der letzten 20 Jahre gewählt gekürt. In seinem neuesten bisher letzten Roman "Unter Ärzten" rechnet der Großstadtneurotiker mit sämtlichen Verfehlungen seiner bisherigen Therapeuten ab. Therapie ist für Lottmann die eine Art der Lebensbewältigung, Schreiben die andere. Verarbeitet werden zum Beispiel die Ereignisse durchzechter Nächte.

"Auf der Borderline nachts um halb eins" - unter diesem Titel schreibt Lottmann regelmäßig ein Blog für die Berliner Tageszeitung, wobei seine Szene-Reportagen selten auf schnöden Fakten basieren. Vor zwei Jahren übersiedelte der 1956 in Hamburg geborene Autor nach Wien. Seine Ankunft in Österreich beschreibt er im Buch "Hundert Tage Alkohol", das zu einer verschrobenen Karikatur der Wiener Kulturszene gerät.

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