Hörspiel-Studio

"Hate Radio." Von Milo Rau.

Das Schlachten dauerte monatelang und kostete mindestens 800.000 Menschen das Leben. Sie wurden zerstückelt und massakriert, Kinder wurden gegen Wände geschlagen bis sie starben. Der Völkermord des Jahres 1994 in Ruanda, bei dem die Mehrheit der Hutus etwa 75 Prozent der Tutsi-Minderheit ausrottete, wurde von der Weltöffentlichkeit trotz entsprechender Warnungen erst sehr spät zur Kenntnis genommen.

Dabei kam das Grauen keineswegs überraschend. Der populäre ruandische Radiosender RTLM verbreitete in aller Offenheit monatelang Hassparolen. Der Massenmord wurde von einen "Soundtrack" begleitet: Coole Moderationen, aktuelle Sportnachrichten und die neueste Popmusik wurden mit gezielten Aufrufen zum Mord verbunden. Wenn die Hörer anriefen, wünschten sie sich Musik und denunzierten die Verstecke derjenigen, die als nächste zu Opfern des Genozids werden sollten. Der lässige Stil, der Groove und die Formate von RTLM sind die gleichen wie die von Radiostationen überall auf der Welt.

Der Schweizer Journalist-, Film- und Theatermacher Milo hat die Rolle des Radios im Zusammenhang mit dem Völkermord in Ruanda minutiös recherchiert und zunächst als Bühnenstück herausgebracht. In einer Gemeinschaftsproduktion des Westdeutschen Rundfunks mit dem ORF wurde das Geschehen nun in jenes Medium zurück verlagert,
das nicht zum ersten Mal in der Geschichte zum Vorbereiter und Helfershelfer politischer Gräueltaten wurde. (WDR/ORF 2013)

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