Innovation.Leben

Grenzenlos Kochen in St. Andrä-Wördern
Eine niederösterreichische Gemeinde blickt über den Tellerrand
Gestaltung: Beate Firlinger
Redaktion: Wolfgang Ritschl

Die Initiative zum grenzenlosen Kochen in St. Andrä-Wördern wurde im Jahr 2003 angestoßen. Anlass dazu gab die Bevölkerungsstatistik in dem damals 6.000 Einwohner zählenden Ort lebten Menschen aus 54 Nationen. Eine Gruppe Alteingesessener fragte sich, wo denn die vielen Zugereisten aus allen Teilen der Welt stecken. "Wir haben uns gewundert, warum diese vielen Nationen nicht zu sehen sind. Versuchen wir doch, die Leute hervorzulocken und zusammenzubringen", so die Grafikerin Barbara Schneider-Resl, die derzeit als Obfrau des Vereins Grenzenlos St. Andrä-Wördern fungiert. Um die kulturelle Vielfalt nicht länger unbeachtet zu lassen, wurde die Idee des kollektiven Kochens geboren und auf dem Dorffest 2003 der lokalen Öffentlichkeit präsentiert. Unterstützt von der Gemeinde lud die Initiative die Bevölkerung zu den ersten grenzenlosen Kochabenden ein und formierte sich als unabhängiger Verein. Alte und neue BewohnerInnen folgten dem Ruf und begannen, neugierig in fremde Töpfe zu schauen. Seither werden mehrmals pro Jahr in der modernen Küche der Alten Schule Greifenstein lustvoll die interkulturellen Kochlöffel geschwungen.

Erfolgrezept für das Miteinander

Das gemeinsame Schnipseln und Rühren, Kneten und Braten, Experimentieren und Essen sollte sich als Erfolgsrezept für das soziale Miteinander erweisen. Die kulinarischen Horizonterweiterungen von St. Andrä-Wördern sind in mehreren Publikationen liebevoll dokumentiert. Etwa in dem 2010 erschienenen Koch- und Lesebuch "Grenzenlos Kochen - Ein Ort schaut über den Tellerrand". Es versammelt rund 80 Rezepte aus ebenso vielen Ländern, vom äthiopischen Huhn über russische Teigtaschen bis zur Grobm-Dodl-Suppe aus dem Piestingtal.
Der Buchverkauf dient neben Spenden und Förderungen der Finanzierung vielfältiger Aufgaben. So firmieren unter der Marke "Grenzenlos" mittlerweile auch Sommerfeste, Fußballspiele, Literaturfrühschoppen, Puppentheater oder Deutschkurse. Außerdem organisiert und koordiniert eine Solidargruppe gemeinsame Aktivitäten mit den AsylwerberInnen des Flüchtlingsheims in Greifenstein. Die vielen aktiven Mitglieder arbeiten allesamt ehrenamtlich bei den verschiedenen Projekten mit.

Appetit aufs Nachkochen

Heute leben in der niederösterreichischen Marktgemeinde 25 Kilometer nordwestlich von Wien rund 7.500 Menschen aus 76 Nationen. Aufgrund des grenzenlosen Engagements ist das Gemeindeleben offener, vielfältiger und bunter geworden, zeigt sich Bürgermeister Alfred Stachelberger zufrieden. Der Verein Grenzenlos St. Andrä-Wördern begeht heuer seinen 10. Geburtstag. Ein Grund zum Feiern, auch weil das interkulturelle Projekt weit über die Gemeindegrenzen hinausstrahlt. Der persönliche Austausch beim gemeinsamen Zubereiten von Speisen macht anderen BürgerInnen Appetit aufs Nachkochen und Nachmachen. So pflanzt sich die Idee fort und wird mittlerweile in mehreren österreichischen Gemeinden kopiert.

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