Innovation.Leben

Die Freude, wichtig zu sein.
Das Jugendrat Team Oberösterreich ermächtigt Jugendliche, eigenverantwortlich für das Gemeinwohl aktiv zu werden.
Gestaltung: Christian Brüser
Redaktion: Wolfgang Ritschl

Wenn Politiker Jugendliche zum Mitdenken einladen, reagieren die Angesprochenen in der Regel mit Skepsis. Sie haben kaum die Erfahrung gemacht, wirklich ernst genommen zu werden und wollen sich für Alibi-Aktionen nicht zur Verfügung stellen. Es gelingt kaum, eine Brücke zwischen Jugendlichen und Politik zu bauen.
Ein junges Team führt in Oberösterreich nun Jugendräte durch und vermittelt Jugendlichen dabei oft zum ersten Mal das Gefühl, für die Politik und die Gemeinde wichtig zu sein.

Der Bürgermeister greift zum Telefon

Claudia Hochreither, Florian Sturm und Bettina Hellein bilden das Jugendrat Team Oberösterreich. Sie bieten Gemeinden eine auf Jugendliche zugeschnittene Variante des Bürgerbeteiligungsmodells Bürgerrat an, das sich in Vorarlberg bereits seit Jahren bewährt hat.
Die 1600-Einwohner Gemeinde Windhaag bei Freistadt etwa wollte Jugendliche bei der Entwicklung eines Gemeinde-Leitbilds beteiligen. Doch die Jugendlichen kamen nicht. Also gab der Bürgermeister einen Jugendrat in Auftrag. Nach dem Zufallsprinzip wurden zehn Jugendliche ausgewählt, um einen Tag miteinander zu arbeiten. Der Bürgermeister rief sie persönlich an, um sie zur Mitarbeit zu bewegen.

Wie Neues entsteht

Beim Jugendrat sind die Jugendlichen unter sich. Das Team begleitet sie mit einem speziellen Moderationsverfahren namens Dynamic Facilitation. Die Teilnehmer sitzen dabei im Halbkreis. Vor ihnen stehen vier Flipcharts. Das Moderationsteam ordnet die Beiträge der Teilnehmer den Kategorien "Herausforderungen", "Lösungen", "Informationen" und "Bedenken" zu.
Wenn alle Teilnehmer ihre persönlichen Meinungen, Wünsche und Befürchtungen in der geschützten und wertschätzenden Atmosphäre des Jugendrats geäußert haben, sind sie bereit, sich auf die Sichtweisen der anderen einzulassen, und es entstehen gemeinsame Lösungen.

Investition in die Politikfähigkeit

Die Lösungen und auch der Prozess werden dokumentiert und einige Tage später in einem Bürgerinnen-Café dem Bürgermeister, anderen Politikern und interessierten Gemeindemitgliedern präsentiert.
Ein Jugendrat kostet die Gemeinde etwa 5000 Euro. In Vorarlberg werden Bürgerräte vom Land finanziert. Dort hat man ihren Wert erkannt. Das Team aus Oberösterreich sieht im Jugendrat eine Investition in die langfristige Politikfähigkeit der Gemeinde.
In Windhaag ist durch den Jugendrat eine große Dynamik entstanden. Die Jugendlichen waren begeistert.

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