Innovation.Leben

Tu was, dann tut sich was
Ein Sozialfestival steigert das Bruttoregionalglück
Gestaltung: Beate Firlinger
Redaktion: Wolfgang Ritschl

Der Name des ersten österreichischen Sozialfestivals ist Programm: Tu was, dann tut sich was tritt seit 2010 an, um die Eigeninitiative von Menschen zu stärken und Ideen für ein besseres Zusammenleben zu verwirklichen.

Die Initiative geht auf Clemens Sedmak zurück. Der Philosoph ist unter anderem Professor am King's College London und leitet an der Universität Salzburg zwei Forschungszentren im Bereich Soziales und Ethik, die organisatorisch und wissenschaftlich hinter dem Festival stehen.

Einladung zur Weltverbesserung

Clemens Sedmak versteht Tu was, dann tut sich was als Einladung zur Weltverbesserung. Nach dem Vorbild der Europäischen Kulturhauptstädte wechselt auch das Sozialfestival die Austragungsorte. Es wird nach dem Salzburger Lungau und der Steirischen Eisenstraße in den kommenden eineinhalb Jahren auf der Mühlviertler Alm in Oberösterreich einziehen.

Anliegen ist es, in Gegenden abseits der Ballungszentren das gefühlte "Bruttoregionalglück" zu steigern. Eine Wortschöpfung, die sich vom Begriff des Bruttonationalglücks in Bhutan ableitet und diesen auf Regionen herunter bricht. Denn beim Lebensglück, so Sedmak, gehe es nicht nur um ein Wachstum, das sich mit dem Bruttoinlandsprodukt messen lässt. Wichtig seien auch immaterielle Güter, etwa Zeit, Freundschaften oder Handwerkskünste.

Unterschätzte Lebensräume

Das Augenmerk von Tu was liegt auf unterschätzten Lebensräumen, die damit kämpfen, dass sich die Infrastruktur schleichend auflöst, weil Menschen und mit ihnen die Kaufkraft in die Städte abwandern. Bewerben können sich Regionen mit mindestens fünf ländlichen Gemeinden und mindestens 6.000 Einwohnern.
Außerdem werde darauf geachtet, dass von jeder Region ein bestimmter Problemdruck signalisiert wird, erklärt der Sozialgeograf Andreas Koch von der Universität Salzburg, der das Festival forschend begleitet. So spielte in der Steirischen Eisenstraße vor allem der abwanderungsbedingte demografische Wandel eine Rolle.

Gelebte Menschlichkeit

Mit dem Schwerpunkt Jugend schaffte es der Regionalverband Mühlviertler Alm, Tu was nach Oberösterreich zu holen. Denn viele junge Menschen pendeln aus und haben kaum Zeit, sich in ihren Gemeinden zu engagieren. Das Sozialfestival soll nun unter der Devise "Gelebte Menschlichkeit" dem Miteinander einen neuen Kick verpassen. Willkommen seien alle Ideen, "wo man spürt, das brauchen wir, damit wir hier lieber leben", sagt Theresa Schachinger vom Mühlviertler Almbüro.

Welche Projekte umgesetzt werden, entscheidet eine fachkundige Jury. Das Sozialfestival bietet dabei nicht nur ideelle, sondern auch finanzielle Mittel, die ein Konsortium namens die SinnStifter bereitstellt. Ob Hausbankerl, Tauschkreis oder Generationentreffen - Clemens Sedmak freut sich über die Früchte, die seine Initiative trägt. Zu sehen seien zwar keine Gebäude, Brücken oder Abfangjäger. "Aber du siehst, die Leute packen mit Freude an und es verändert sich viel in ihren Herzen."

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