Innovation.Leben

Do- index - Messinstrument in Sachen digitale Offenheit
Gestaltung: Anna Masoner
Redaktion: Wolfgang Ritschl

Wer in Linz auf stark frequentierten Plätzen unterwegs ist, kann über öffentliche Hotspots gratis im Internet surfen. Die Stadt Wien stellt viele der Daten, die sie erhebt, etwa zur Finanzgebarung, Statistiken zur Bevölkerungsentwicklung oder Geodaten auf einer Webseite kostenlos allen zur Verfügung. Die Berliner Verkehrsbetriebe erlauben im Netz den Zugang zu Echtzeitdaten von U-Bahnen und Bussen. In München wiederum arbeitet die öffentliche Verwaltung statt mit Excel und Word mit Open Source Software. In den vergangenen Jahren hat sich in Sachen Netzpolitik schon einiges getan, sagt der Volkswirt Walter Palmetshofer, Projektleiter von Do:index und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Berlin. Bisher waren die Initiativen allerdings kaum vergleichbar. Der sogenannte Do: index soll das ändern.

Warum sind Lernmaterialien nicht für alle zugänglich?

Der digitale Offenheitsindex soll Ordnung in das Gestrüpp an digitalen Initiativen der öffentlichen Hand bringen und diese übersichtlich sichtbar machen.
So verweigern etwa manche öffentlichen Einrichtungen den Zugriff auf Daten mit dem Verweis auf technische Schwierigkeiten, anderswo ist der Zugriff bereits längst "state of the art". "Wir können so die Diskussion darüber entfachen, außerdem lässt sich dadurch die Argumentation umdrehen." Und zwar von: "könnten wir Zugriff auf die Daten haben" zu "warum sind sie nicht schon längst öffentlich"? Mit dem Index könnten netzpolitische Aktivisten mehr Druck ausüben. Politiker und Verwaltungsmitarbeiter würden schwarz auf weiß sehen, was in der Nachbarsstadt bereits Usus ist.

Von Open Education zu Freier Software

Fünf verschiedene Bereiche deckt der Offenheitsindex ab: Open Education umfasst offene Lehr- und Lernunterlagen, bei Open Policies werden Gesetzesinitiativen verglichen, etwa zum Informationsfreiheitsgesetz, das regelt, auf welche Informationen ein Bürger Anrecht hat. Der Bereich Open Source Software beleuchtet den aktuellen Softwareeinsatz in der Verwaltung.
Die Kategorie Offene Infrastruktur beschäftigt sich mit der Netzinfrastruktur, also den öffentlichen Zugangsmöglichkeiten zum Internet. Beim Teil-Ranking Open Data werden die geplanten und tatsächlichen öffentlichen Datenbestände verglichen.

Bewertung durch die Crowd

Initiiert wurde das Projekt do:index vom deutschen Verein Digitale Gesellschaft, dem österreichischen Verein Freie Netze. Freies Wissen und der Schweizer Interessensvertretung Digitale Allmende. Am Anfang werden nur größere Städte in Österreich, Deutschland und der Schweiz unter die Lupe genommen. In ein paar Monaten soll parallel dazu eine wissenschaftliche Studie abgeschlossen sein, sagt Walter Palmetshofer. Ab dem heurigen Herbst soll dann jeder auf der Webseite seine Stadt oder seine Gemeinde bewerten können. Und 2014 werden auch die restlichen europäischen Länder im do:index erfasst.

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