Hörspiel-Studio

"Von Menschen, die sich fressen oder All you can eat". Von Paula Köhlmeier. Mit Meriam Abbas, Chris Pichler, Florian Teichtmeister, Mercedes Echerer, Hermann Scheidleder, Stefano Bernardin, Sandra Littomericzky und Eduard Wildner. Komposition: Matthias Arfmann. Bearbeitung und Regie: Susanne Amatosero

Marie liebt Augustin, und Rutha liebt ihn ebenfalls. Dabei ist Augustin alt und fett wie ein Walfisch, säuft Whiskey und lebt in einem schäbigen Zimmer voller verkrusteter Essensreste, dreckiger Wäsche und ungeleerter Aschenbecher. Als Jacob, fünfundzwanzig, unrasiert und barfuß, von Berlin nach Wien kommt, will er dem Leid nicht weiter zusehen. Jacob ist Maries Bruder. Der Walfisch, sagt er, macht sie völlig kaputt. Der Walfisch hat beide Frauen. Der Walfisch muss weg. Gemeinsam mit Rutha beschließt er, Augustin zu töten. Nach getaner Arbeit fährt er, per Autostopp und begleitet von Bob Dylan und Tom Waits, wieder zurück nach Berlin.

Angesiedelt rund um den Wiener Naschmarkt protokolliert und porträtiert Paula Köhlmeier in knappen, präzisen und beinah filmischen Sequenzen Menschen ihrer Generation. Hoffnungen zu haben wäre riskant. Zu retten gilt es allein die persönliche Würde.

Die Regisseurin Susanne Amatosero hat, gemeinsam mit dem Musiker Matthias Arfmann, aus Paula Köhlmeiers Text einen akustischen Film Noir gemacht. Ein dunkles, unsentimentales Stück, das weder um Mitleid noch um Verständnis heischt.

Paula Köhlmeier, die Tochter des Schriftstellerpaares Monika Helfer und Michael Köhlmeier, verunglückte vor genau zehn Jahren, am 22. August 2003, bei einem Spaziergang am Schlossberg in Hohenems.

Sie habe, schrieb die damals 21-jährige in einer ihrer Geschichten, "kein Talent zum Glück."

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