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Dorfservice: Die soziale Feuerwehr in zwölf Gemeinden Oberkärntens.
Gestaltung: Tanja Malle
Redaktion: Wolfgang Ritschl

In drei österreichischen Randregionen ist der Anteil der älteren Bevölkerung besonders hoch: In der Oststeiermark, im Waldviertel und in Oberkärnten. Im Jahr 2007 wurde in vier Gemeinden Oberkärntens "Dorfservice" gegründet, dessen Angebot mittlerweile zwölf Gemeinden und damit mehr als 21.000 Menschen erreicht.

Es sind meist ältere Pensionisten und Pensionistinnen, die Dorfservice in Anspruch nehmen, zum Beispiel Frau Haller, die mehr als 90 Jahre alt ist. Die sommerliche Hitze, die Ende Juli die Mais- und Weizenfelder in den engen Tälern Oberkärntens austrocknen lässt, scheint ihr wenig auszumachen. Schwierigkeiten bereiten Frau Haller andere Dinge: "Es hat sich hier vieles verändert, es gibt kaum noch Geschäfte, viele Menschen sind weg gezogen und ich kann nirgendwo mehr hin".


Junge PensionistInnen helfen

Nahversorger, Arzt, Apotheke und Kirche lassen sich in den entlegenen Tälern Oberkärntens nur noch mit dem Auto erreichen, und kaum mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Schon gar nicht während der Schulferien, in denen der Bus - wenn überhaupt - nur einmal täglich vorbei kommt. Um den Weg zu Fuß zu bewältigen, sind die Distanzen zu groß und der Körper zu schwach. Frau Haller nimmt deshalb seit zweieinhalb Jahren das kostenlose Fahrtendienst-Angebot von "Dorfservice" in Anspruch. Alice Ebenberger ist die Geschäftsführerin von Dorfservice und managt die soziale Feuerwehr Oberkärntens: "Wir haben derzeit in etwa 1.200 Klienten und Klientinnen in den zwölf Gemeinden, unsere mehr als 100 ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen haben bereits rund 15.000 Arbeitsstunden an ihre Nächsten verschenkt".

Eine von den ehrenamtlichen Helferinnen ist die seit kurzem pensionierte Elisabeth Pichler. Sie fährt Frau Haller und andere zu Arzt und Apotheke und hin und wieder auch ins Cafe: "Ich will einfach einen Teil meiner Freizeit der sozialen Arbeit widmen und mache neben Fahrtendiensten auch Besuchsdienste im Altenheim. Besonders im Winter habe ich auch viel davon, ohne Fixtermine würde ich wahrscheinlich gar nicht aus dem Haus gehen.""


Abwanderung und Überalterung

Oberkärnten ist von starker Abwanderung geprägt, die Distanz zwischen den beiden am weitesten voneinander entfernten Gemeinden, die Dorfservice betreut, beträgt 100km. Neben Fahrtendiensten bietet Dorfservice unter anderem Kinderbetreuung an, eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzkranken wurde aufgebaut, ein Trauercafe für jene, die Angehörige verloren haben, installiert, sowie vernetze Kindergärten und Altersheime.

Die schlechte Infrastruktur belastet vor allem die älteren Einwohner der Region, der Mangel an Arbeitsplätzen die Jüngeren. Auch ihnen bietet Dorfservice, so Alice Ebenberger, verschiedene Hilfsleistungen an: "Wenn zum Beispiel ein Familienmitglied plötzlich ins Krankenhaus muss, können wir täglich einige Stunden mit der Hausarbeit und der Kinderbetreuung helfen und bauen ein Hilfsnetz auf."


Finanziert wird Dorfservice zu 40 Prozent vom Land Kärnten, knapp 30 Prozent kommen von den Gemeinden. 20 Prozent sind Eigenmittel, die über Spenden und Wirtschaftskooperationen eingenommen werden. Der Rest kommt von Bund und EU. Das Angebot von Dorfservice wurde bisher oft ausgezeichnet. "Zurecht", sagt Frau Haller: "Ohne Dorfservice ginge es in für mich hier einfach nicht mehr."

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