Innovation.Leben

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1+1+1=Eins. Eine obersteirische Schulgemeinschaft vereint durch die Umgestaltung eines alten Schulgebäudes drei Pflichtschultypen unter einem Dach.
Redaktion: Wolfgang Ritschl

Sinkende Geburtenraten sorgen in vielen Regionen Österreichs für immer weniger
Schülerinnen und Schüler im Pflichtschulbereich. Dieses Problem kennt man gut in der Montan-Universitätsstadt Leoben. Von 1500 auf 140 Schülerinnen und Schüler sank die Schülerzahl hier in den letzten 25 Jahren allein an der Neuen Mittelschule Pestalozzi. Dazu nagt auch der Zahn der Zeit an dem aus den 1920er-Jahren stammenden denkmalgeschützten Gebäudekomplex. Für Direktor der Schule, Franz Valland, ist klar: "Wir wollen hell, freundlich und luftig werden, es muss eine Atmosphäre entstehen, in der man sich wohlfühlen kann und gerne lernt."

Volksschule, Neue Mittelschule und Polytechnische Schule kommen unter ein Dach

Die Lösung ergab sich aus der schwierigen Gesamtsituation der Leobner Schullandschaft, gibt Franz Valland einen Einblick: "In Leoben gibt es sehr viele sanierungsbedürftige Schulhäuser, und wir können uns zwei Häuser einsparen, wenn wir in einem Haus zusammenrücken und ein Schulzentrum bilden."
Gesagt - getan: in einer Ideenwerkstatt entwarf die Leobner Schulgemeinschaft zusammen mit Schülern, Eltern und Lehrern und einem kreativen Architektenteam das Konzept für ein modernes Bildungszentrum, das nun im Gebäudekomplex der neuen Mittelschule Pestalozzi umgesetzt wird. Schülerinner und Schüler der Volksschule Donawitz, der Neuen Mittelschule Pestalozzi und der Polytechnischen Schule sollen hier bald einen schülergerechten gemeinsamen Lern- und Lebensraum vorfinden.

Kuschelröhren in den Mauern

Das neue Schulzentrum soll den Bedürfnissen aller Kindern gerecht werden - mit einem hellen Atrium, das in einem der Innenhöfe als gemeinsame Bibliothek dienen soll, mit sogenannten Tandemklassen, in denen Gleichaltrige vieles gemeinsam lernen oder auch mit gemütlichen Kuschelröhren in den Mauern der Gänge, in die sich die Schülerinnen und Schüler bei Bedarf zu kleinen Verschnaufpausen zurückziehen können.
"Drei Schulen zu einem Bildungszentrum zusammenzuführen, heißt, für drei Organismen eine gute Mitte zu finden," beschreibt Michael Zinner von der Kunstuniversität Linz die Herausforderung des Umbaus aus architektonischer Sicht. Zusammen mit dem in Wien und Kärnten ansässigen Architekturbüro "nonconform architektur vor ort" führt der Linzer Architekt und Schulbauexperte die Umbauarbeiten durch.

Gemeinsamkeit und Rückzugsmöglichkeit

Für das Zusammenleben verschiedener Altersgruppen und Talentetypen sind geordnete Raumverhältnisse wichtig, weiß Michael Zinner. Neben Plätzen der Gemeinsamkeit gehören dazu auch Orte des Rückzugs. Ein Punkt, der nicht nur für Schülerinnen und Schüler gilt - daher wird es im vierten Stock des Schulzentrums für Kinder keinen Zutritt geben:
"Die klare Grenze hilft, auch wirklich 'abzuschalten und weg' zu sein. Wer lange und gut in den Schulen arbeitet, braucht auch Chance auf echte Pause. Die Chill-Oase mit Cafe, Westblick und Dachterrasse ist Ausdruck der Wertschätzung einer ganzen Berufsgruppe."

Abbau von Berühungsängsten

Wertschätzung ist auch für Paul Neugebauer ein wichtiger Aspekt im gemeinsamen Schulalltag von Kindern verschiedener Schultypen. Der Direktor der Polytechnischen Schule wird mit seinen rund 14-jährigen Schülerinnen und Schülern in das Schulzentrum einziehen:
"Wir sind die Nachfolgeschule für jene Schüler, die sich mit 14 Jahren entscheiden, eine Lehre zu beginnen. Wenn die Schüler der Neuen Mittelschule dann sehen, welche Arbeit da geleistet wird, hoffen wir natürlich, dass dadurch Berührungsängste, die es gegenüber der Polytechnische Schule noch immer gibt, leichter abbaut werden - wenn der Kontakt unter den Schülern funktioniert."

Chancenvielfalt für alle

Die Jüngsten im neuen Bildungszentrum werden die Volksschulklassen von Direktorin Petra Kail sein. Die Pädagogin freut sich auf eine moderne Schule - und auf mehr Platz: "Wir sind ja jetzt in einem sehr alten Schulgebäude, und ich habe zwei angeschlossene Schwerstbehinderten-Klassen, die momentan im Nebengebäude bei uns untergebracht sind. Mich freut besonders, dass wir dann nicht mehr getrennt, sondern in einem Schulhaus untergebracht sind."
Eine spannendes Schulprojekt nicht nur aus architektonischer Sicht: Kinder lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und Ressourcen gemeinsam zu nutzen. So schaut eine Schule fürs Leben aus.

Vor Ort Ideenwerkstatt
Zinner Nonconform Architektur vor Ort
schulRAUMkultur


Die Ö1 Sommerserie im Rahmen von Open Innovation

Mitte Mai hat eine Fachjury aus Ihren Einreichungen 16 Projekte ausgewählt, die von 4. bis 28. August 2014 jeweils Montag bis Donnerstag um 16:55 Uhr in Ö1 vorgestellt werden.

Alle 16 Projekte finden Sie hier

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