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Nachhaltiger Mengenrabatt - "Die Einkaufsgruppe" unterstützt NGOs beim Ankauf und hilft ihnen Geld zu sparen
Gestaltung: Marlene Nowotny
Redaktion: Wolfgang Ritschl

Mehr als 500 Millionen Euro - so viel haben die Österreicher und Österreicherinnen im vergangenen Jahr gespendet. Doch wofür werden diese Gelder von den NGOs und Non-Profit-Organisationen verwendet? Neben den eigentlichen Projekten werden damit auch herkömmliche Dinge wie Büromaterial, Telefonrechnungen oder Stromkosten finanziert. Wird hier gespart, steht den Organisationen mehr Geld für ihre eigentlichen Anliegen zur Verfügung.

Gemeinsam billiger einkaufen

Im Rahmen der "Einkaufsgruppe" kooperieren Organisationen, die von Spendengeldern abhängig sind, bei der Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen. Initiiert wurde das Projekt von Joachim Schreiber. Der Biologe und Umwelttechniker war selbst im NGO-Bereich tätig, etwa als Aktionskoordinator beim WWF, bei Attac oder der Südwindagentur. "Dort bin ich drauf gekommen, dass mehr oder weniger jede Organisation ihr eigenes Süppchen kocht, was das Beschaffungswesen angeht", sagt Joachim Schreiber. Obwohl der gemeinnützige Sektor so groß ist, wurden längst nicht alle möglichen Synergien genützt.

"Die Einkaufsgruppe" möchte das ändern und dabei den ethischen Ansprüchen, die NGOs bei der Beschaffung haben, gerecht werden. Denn solche Organisationen möchten Produkte erwerben, die hohen ökologischen und sozialen Standards entsprechen. Wenn sie sich mit anderen Organisationen zusammenschließen, wird der Einkauf größer und die Preise für die einzelne Produkte und Dienstleistungen sinken.

Nachhaltiges Sparen

Bis dato hat "die Einkaufsgruppe" mehr als 2000 Händler unter Vertrag. Laufend kommen neue, nachhaltige Schwerpunkte hinzu, etwa CO2-neutral produzierte Papierwaren oder pflanzliche Druckerfarben. In Kürze sollen auch Reparaturdienstleistungen in das Sortiment aufgenommen werden. " Fairtrade-, Bio-, EZA-Kaffee, MSC-Fischprodukte, alles was man an Gütesiegeln kennt, ist bei uns vertreten", betont Schreiber.

Das Anwachsen des Portfolios der Einkaufsgruppe auf diese Größe nahm einige Zeit in Anspruch. 2006 hat Joachim Schreiber bereits erste Versuche in Richtung "gemeinsames Einkaufen" gestartet. Seit einem Jahr läuft das Projekt "Einkaufsgruppe" nun erfolgreich. Mehr als 20 NGOs, darunter Arche Noah, Vier Pfoten oder die Kinderkrebshilfe, profitieren mittlerweile von der nachhaltigen Shopping-Beratung. Seit einigen Monaten arbeitet Joachim Schreiber mit der Change-Managerin Ulrike Plichta zusammen. Mit ihrer Hilfe soll sich die "Einkaufsgruppe" weiter vergrößern.

Gütesiegel "Einkaufsgruppe"

Im Herbst möchte man gemeinsam an die Öffentlichkeit gehen, um weitere NGOs zu erreichen, berichtet Ulrike Plichta: "Davon erwarten wir uns einen Schneeballeffekt. Wir hoffen, dass die Organisationen, die bereits Mitglied sind, sich mit ihren Kollegen austauschen und weitere NGOs an Bord holen." Die Mitgliedschaft könnte zu einer Art Gütesiegel für spendenfinanzierte Organisationen werden. Ulrike Plichta geht davon aus, dass die Spender und Spenderinnen die NGOs in Zukunft aktiv darauf ansprechen werden. "Es gibt insgesamt eine Trendwende hin zu nachhaltigerem Einkaufen. Und die Spender und Spenderinnen sind natürlich daran interessiert, dass die Gelder effizient eingesetzt werden".

Kostenfrei für die NGOs

Die Ersparnis beim gemeinschaftlichen Einkauf ist hoch und liegt zwischen 20 und 65 Prozent - je nach Produkt oder Dienstleistung. Ein Erfolg der jüngeren Zeit betrifft die Stromkosten der NGOs: Die Einkaufsgruppe bekommt den besten Ökostrom-Tarif Österreichs und liegt damit sogar unter dem VKI-Angebot, bei dem sich 70.000 Haushalte als "ein Großkunde" zusammengeschlossen hatten.
Für die NGOs selbst entstehen keine Kosten beim Aushandeln solcher Rabatte. "Das funktioniert so wie beim Bezahlen mit der Bankomatkarte in einem Geschäft", erläutert Joachim Schreiber. Ein kleiner Betrag von der Summe, die an den Lieferanten geht, wird abgezogen.

Schon bald möchte die Einkaufsgruppe ihre Dienste auch deutschen NGOs und Non-Profit Organisationen anbieten. Eine entsprechende Crowdfunding-Kampagne soll im Herbst starten. In Deutschland werden jährlich fünf Milliarden Euro gespendet. Wenn es dort gelingt, die Einkäufe zu bündeln und dabei 20 Prozent der Kosten einzusparen, könnte den Organisationen ein zusätzlicher Betrag in zweistelliger Millionenhöhe zur Verfügung stehen.

Alle Mitglieder der "Einkaufsgruppe"


Die Ö1 Sommerserie im Rahmen von Open Innovation

Mitte Mai hat eine Fachjury aus Ihren Einreichungen 16 Projekte ausgewählt, die von 4. bis 28. August 2014 jeweils Montag bis Donnerstag um 16:55 Uhr in Ö1 vorgestellt werden.

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