Innovation.Leben

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Nachfolger gesucht. Das Netzwerk "Existenzgründung in der Landwirtschaft" will österreichische Bauernhöfe retten
Gestaltung: Anna Masoner
Redaktion: Wolfgang Ritschl

Wie kann man ohne familiäre Vorbelastung Bauer werden? Diese Frage
beschäftigt Manuel Bornbaum schon lange. Er studiert Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur an der Universität für Bodenkultur Wien und möchte gerne in die Landwirtschaft einsteigen, kommt aber nicht aus einer Bauernfamilie. Den Berufswunsch Bauer verspüren aber nicht nur BOKU Studierende, sondern immer mehr junge konstatiert Isabella Lang, die Ökolandbau studiert.

Auf der anderen Seite werden in Österreich im Schnitt jeden Tag vier Höfe aufgegeben, weil sich kein passender Nachfolger findet. Während die Häuser verfallen, werden die Flächen an den Meistbietenden verkauft. "Das Bauerhofsterben ist gerade in strukturschwachen Gegenden ein Problem."

Wie beide Seiten zusammenbringen?

Gemeinsam mit Gleichgesinnten haben Manuel Bornbaum und Isabella Lang vor ein paar Monaten den Verein "Netzwerk Existenzgründung in der Landwirtschaft (N.E.L.)" gegründet. Ziel ist es, die außerfamiliäre Hofnachfolge in Österreich zu fördern. Geplant ist unter anderem eine Online Hofbörse, über die Neueinsteiger und Bauern zusammenfinden sollen. Mit einem ähnlichen Projekt in Deutschland ist die Initiative bereits vernetzt. Mit der Vermittlung allein ist es allerdings nicht getan. "Neben vielem informellen Wissen, das weitergeben werden muss, spielt bei Hofübergaben auch sehr viel Zwischenmenschliches mit. Das kann sehr heikel sein," sagt die Mittzwanzigerin, die auch in die Landwirtschaft einsteigen möchte: "Deshalb gehört so eine Übergabe auch entsprechend begleitet." Widerstände und Misstrauen Landwirten in spe gegenüber gibt es genug, bestätigt Manuel Bornbaum. "Für viele Bauern gelten BOKU-Absolventen als Fachidioten."

Interesse bei Bauern und Gemeinden

Um Vorurteile abzubauen, will der Verein in den kommenden Monaten Informationsveranstaltungen organisieren, etwa in Oberösterreich und im Burgenland. Vereinzelt gibt es bereits Anfragen von Bäuerinnen und Bauern, die Nachfolger suchen. Auch den Kontakt zu Landwirtschaftskammern und Gemeinden will die Initiative herstellen. Dass auch von dieser Seite Interesse vorhanden ist, hat Manuel Bornbaum selbst erlebt. Er hat sich in Oberösterreich vor einiger Zeit für einen verlassenen Hof interessiert. Auf der Gemeinde hat sich neben dem Bauamt-Leiter sofort die Bürgermeisterin der Sache angenommen. "Ein verfallendes Gebäude ist jeder Gemeinde ein Dorn im Auge. Wenn man das auf ganz Österreich hochrechnet, kommt da eine Menge zusammen".

Realistische Ziele

Ob man Höfe rettet und in der Landwirtschaft auf kleinteilige Strukturen statt auf industrielle Großproduktion setzt, ist auch eine politische Entscheidung, geben die beiden zu bedenken. Das Netzwerk "Existenzgründung in der Landwirtschaft" ist nur einer von mehreren Puzzleteilen, sagt Isabella Lang. "Uns ist bewusst, dass wir nur einen Teil der Bäuerinnen und Bauern erreichen. Wir können nicht alle Höfe retten. Aber ich denke, dass wir durchaus eine Lücke füllen können."

Existenzgründung in der Landwirtschaft


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Alle 16 Projekte finden Sie hier

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