Innovation.Leben

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Zusammenleben durch Zusammenarbeiten - Die Initiative "Samstag in der Stadt" belebt urbane Räume und hilft Nachbarschaftsnetzwerken auf die Beine
Gestaltung: Marlene Nowotny
Redaktion: Wolfgang Ritschl

Ein Nachbarschaftsgarten, Kochworkshops, Gemeinschaftsessen, Feste, ein Flohmarkt und kostenlose Sozialberatung - seit 2010 ist die Initiative "Samstag in der Stadt" am Schwendermarkt im 15. Bezirk in Wien aktiv. In den fast fünf Jahren hat sich der Platz verändert - rein äußerlich, weil er bunter und grüner geworden ist. Gleichzeitig ist die Nachbarschaft zusammengewachsen.

Der Schwendermarkt als "demokratischer Ort"

An einem kalten Februarnachmittag hat Tamara Schwarzmayr den Schwendermarkt zum ersten Mal entdeckt. Der Platz war leer und grau, und das lag nicht nur an der Jahreszeit. Immer weniger Marktfahrer hatten den Schwendermarkt in den letzten Jahren aufgesucht. Und auch die Nachbarschaft nützte den Platz nicht als gemeinschaftlichen Raum. Eine schöne Herausforderung, dachten sich Tamara Schwarzmayr und ihre Kollegin Nadja Prauhart, die bereits 1999 den Verein "Kunst- und Kulturprojekt Samstag" ins Leben gerufen hatten. "Wir sind von der Frage inspiriert worden, was denn ein demokratischer Ort ist", schildert Schwarzmayer. "Wir wollten am Schwendermarkt einen solchen demokratischen Ort schaffen, der konsumfrei und in seiner Nutzung nicht vorbestimmt ist. Und das funktioniert nur durch die Mitgestaltung vieler."

Das Marktamt stellte den Mitarbeiterinnen von "Samstag in der Stadt" einen Raum direkt am Schwendermarkt zur Verfügung. Finanzielle Unterstützung kommt unter anderem von der Bezirksvorstehung Rudolfsheim-Fünfhaus.


Vielfalt durch Zusammenarbeit

Zu den Aktivitäten am Schwendermarkt gehört der "Markt der wiedergefundenen und neu erfundenen Dinge". Er findet an jedem ersten Donnerstag im Monat statt. Jeder, der möchte, kann dort einen Marktstand mieten und alte Dinge bzw. selbst Erzeugtes zum Verkauf anbieten. Neben dem Flohmarkt finden dort auch Lesungen, Vorstellungen im Freiluftkino oder Konzerte statt. Das Publikum ist, wie bei allen Veranstaltungen am Schwendermarkt, bunt gemischt, berichtet Nadja Prauhart: "Die Vielfalt im Bezirk spiegelt sich ganz stark bei den Menschen wieder, die hierherkommen, was etwa das Einkommen, die Ausbildung, die Herkunftsländer oder das Alter betrifft." Zumindest eine Sache haben alle gemeinsam. Sie sind hier, um zusammen etwas zu tun.

Ein solcher gemeinschaftlicher Erfolg ist etwa der Nachbarschaftsgarten, den es seit zwei Jahren auf dem Schwendermarkt gibt. Die Anwohner hatten sich "mehr Grün" gewünscht. Gemeinsam wurden daraufhin Holzkisten für Blumen- und Gemüsebeete errichtet. Betreut wird der "Schwendergarten" von einer professionellen Gärtnerin, die ihr Wissen an die interessierten Anrainer weiter gibt. Die Pflanzen werden gemeinsam gesät, gepflegt, geerntet und anschließend verkocht. Ein Angebot, das sich vor allem an die Jüngsten in der Nachbarschaft richtet. Denn gerade Kinder aus sozial schwachen Familien haben oft keinen Zugang zu einer ausgewogenen Ernährung. "Es geht um die Frage der Ernährungssouveränität. Darum, woher unser Essen kommt", betont Schwarzmayr. "Es gibt ausreichend Raum in Städten, um Nahrungsmittel anzubauen. Wir überlegen bei unseren Projekten, wie es gelingen kann, sich diesen Raum zu nehmen".

Sozialpolitische Dimension

Das Wohngebiet um den Schwendermarkt gehört zu den einkommensschwächsten Regionen Österreichs. Im Büro von "Samstag in der Stadt", das sich direkt am Markt befindet, werden auch Essenspenden verteilt, die eine Supermarktkette zur Verfügung stellt. Gleiches gilt für Sachspenden, die dort abgegeben werden. Dort findet auch die kostenlose Sozialberatung mit Elisabeth Ettmann statt. Bis vor kurzem war sie als Sozialarbeiterin in der Nähe beschäftigt. Mittlerweile in Pension, öffnet sie jeden Montagnachmittag die Türen des "Alphamobils" und unterstützt Menschen, die Schwierigkeiten mit behördlichen Briefen oder Anträgen haben.

Gemeinsames Handeln

Mittlerweile ist am Schwendermarkt ein Nachbarschaftsnetzwerk entstanden. Bei wichtigen Themen, wie dem Zugang zu leistbaren Wohnungen, helfen sich die Menschen in der Nachbarschaft auch gegenseitig. "Wir haben dieses wolkige Ziel 'Integration' nie in den Mittelpunkt unserer Arbeit gestellt", betont Elisabeth Ettmann. Gemeinsames Handeln im öffentlichen Raum möglich zu machen, sei vielmehr das Ziel der Initiative. "Es wird gepflanzt, es wächst, es blüht und das ist etwas Sichtbares, das verbindet. Und deswegen findet Integration oder Inklusion statt, auch wenn wir das als solche nie bezeichnet haben."



Die Ö1 Sommerserie im Rahmen von Open Innovation

Mitte Mai hat eine Fachjury aus Ihren Einreichungen 16 Projekte ausgewählt, die von 4. bis 28. August 2014 jeweils Montag bis Donnerstag um 16:55 Uhr in Ö1 vorgestellt werden.

Alle 16 Projekte finden Sie hier

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