Innovation.Leben

Reparieren statt wegwerfen: das Repaircafe Tirol
Gestaltung: Anna Masoner
Redaktion: Wolfgang Ritschl

"Im Prinzip können Sie alles bringen, was Sie tragen können, aber der Großteil sind Elektrogeräte. Kaffeemaschinen sind der große Hit." In der 1.000-Seelen Gemeinde Pill im Tiroler Unterinntal sagt Michaela Brötz der Wegwerfgesellschaft den Kampf an. Seit März 2013 organisiert sie in Pill und in den Nachbargemeinden Repair Cafés. Bei Kaffee und Kuchen reparieren ehrenamtliche Experten defekte Gebrauchsgegenstände oder greifen helfend ein, wenn man mit seinem Reparatur-Latein am Ende ist.

Neben den Elektrospezialisten gehören auch Allrounder, die etwa ein kaputtes Möbelstück wieder auf Vordermann bringen, zur Stammbesetzung eines Repaircafés. Ebenso wie ein Textilexperte, klärt Michaele Brötz auf.

Repair-Cafés wurden in den Niederlanden erdacht

Die Idee von Repair-Cafés hat die Mutter von zwei Kindern und Leiterin der Erwachsenenschule in Pill nicht erfunden. 2009 gingen die ersten derartigen Veranstaltungen in den Niederlanden über die Bühne, hauptsächlich in den Zentren Amsterdam und Rotterdam. Mittlerweile wird in zahlreichen Städten in Europa kollektiv repariert. Michela Brötz hat die Idee von der Stadt aufs Land gebracht, wie sie sagt.

Der Zulauf bei den bisher sechs Repair Café-Terminen war enorm. Bis zu 60 Gegenstände konnten pro Tag wieder in Funktion gebracht werden. Neben dem Kampf gegen Müllberge und gegen das Wegwerfen geht es auch um Ermutigung, wieder selbst Hand anzulegen.

"Ich habe zum Beispiel mit fremder Hilfe einen Laptop repariert, weil der Lüfter dauernd geblasen hat", erzählt Michaela Brötz. "Man musste ihn eigentlich nur ganz simpel ausblasen und von Schmutz befreien. Ich hätte mich aber alleine nie getraut, den Laptop zu öffnen."

Manche kommen nur zum Diskutieren

Beim Reparieren kommen die Leute zusammen und ins Gespräch - über ausbeuterische Arbeitsbedingungen etwa, oder darüber, dass Produkte vorzeitig unbrauchbar werden, weil Hersteller absichtlich minderwertige Verschleißteile verbauen. Nebenbei werden Konsumenten ein wenig erzogen, sagt die Organisatorin lächelnd. Nämlich Dinge zu kaufen, die sich reparieren lassen. "Heutzutage sind die meisten Elektrogeräte nicht verschraubt, sondern verklebt. Die kann man dann nicht ohne weiteres öffnen. Als Konsument kann ich aber darauf achten, jene zu kaufen, die man noch aufschrauben kann, oder das beim Hersteller reklamieren."

Nicht alles ist reparierbar…

Auch für die Reparaturexperten, die Michaela Brötz in ihrem privaten Umfeld rekrutiert hat, sind die Repair-Café-Veranstaltungen ein Gewinn. Das Basteln in der Gruppe sei viel befriedigender als das Arbeiten allein im Hobbykeller. Doch alles wieder heil zu machen, gelingt selbst den Reparierprofis nicht. "Im Schnitt schaffen wir zwei Drittel der Reparaturen", sagt die Tiroler Repair-Café Initiatorin. "Insgesamt haben wir mittlerweile mehr als 200 Dinge wieder flott gemacht. Und das ist ein ganz schöner Haufen."


Repair Cafe


Die Ö1 Sommerserie im Rahmen von Open Innovation

Mitte Mai hat eine Fachjury aus Ihren Einreichungen 16 Projekte ausgewählt, die von 4. bis 28. August 2014 jeweils Montag bis Donnerstag um 16:55 Uhr in Ö1 vorgestellt werden.

Alle 16 Projekte finden Sie hier

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