Innovation.Leben

Die Elternhaltestellen - Eine oberösterreichische Initiative bewegt Kinder sicher zur Schule
Gestaltung: Beate Firlinger
Redaktion: Wolfgang Ritschl

"Das Erlebnis Schulweg kommt bei unseren Schülerinnen und Schülern viel zu kurz", ist Ursula Stiermayr überzeugt. Die Pädagogin leitet die Volksschule in Schönering, einem Ortsteil von Wilhering bei Linz. Rund 140 Kinder besuchen hier den Unterricht. Meist kommen sie mit Mutter oder Vater im Auto. Einmal pro Woche jedoch bewältigen viele Mädchen und Buben ihren Schulweg nicht im Elterntaxi, sondern zu Fuß. Jeden Dienstag treffen sich zahlreiche Volksschüler an eigens gekennzeichneten Elternhaltestellen, wo Mütter und Väter ihren Nachwuchs absetzen können. Von hier marschieren sie dann gemeinsam weiter zur Schule.

Das Projekt läuft seit dem Frühjahr 2014 in der rund 6.000 Einwohner zählenden Gemeinde. Neben Schönering sind auch die beiden anderen Volksschulen von Wilhering an Board. "Der Anstoß war, dass wir uns wünschen, dass die Kinder mehr Bewegung machen", erklärt die Volksschuldirektorin Ursula Stiermayr. "Und sie gehen jetzt wirklich fleißig zu Fuß und genießen ihren Schulweg."

Eifrige Geher

Zur Volksschule Schönering führen drei fußgängertaugliche Routen. Dennoch müssen auch stark befahrene Straßen überquert werden. Damit die Kinder sicher unterwegs sind, engagieren sich einige Bewohner ehrenamtlich als Schulwegbegleiter. "Es ist mir ein Anliegen, dass ich mit den Kindern gehe. Ich stehe gerne auf und mache dadurch auch selber Bewegung", erzählt Monika Leitgeb, die seit elf Jahren im Ruhestand ist. Die Pensionistin klappert vier Elternhaltestellen ab und lotst die eingesammelte Kinderschar über die neuralgischen Punkte auf einer Strecke von rund 20 Minuten. "Die Kinder sind sehr brav. Sie folgen meinen Anordnungen, plaudern viel mit mir und sind schon in der Früh recht lustig."

Nach jedem Fußmarsch erhalten die Kinder von der Direktorin einen kleinen Sticker, den sie in ihren "Sammelpass für eifrige Geher" kleben können. Ist dieser voll, gibt's eine kleine Belohung. Das Projekt kurbelt nicht nur die Freude an der Bewegung an, sondern auch die grauen Gehirnzellen. "Es wirkt sich positiv auf die Konzentration aus", weiß Ursula Stiermayr. "Für uns Lehrer ist ja wichtig, dass die Kinder munter sind. Weil die meisten einen ganz schön langen Schulweg zurücklegen, kommen sie schon recht aufnahmefähig in der Schule an."

Positive Resonanz

Wilhering ist eine von fünf oberösterreichischen Modellgemeinden des Projekts "Sicher bewegt". Eine Initiative, die 2013 in Oberösterreich an den Start ging und aufgrund der positiven Resonanz nun in zehn weiteren Orten Schule macht. Ein Leitfaden dazu wurde bereits erstellt. Betrieben wird das Projekt von der SPES Familien-Akademie, einem überparteilichen Kompetenzzentrum, das Bürgermeister, Schulleiterinnen, Bewohner und Eltern dabei unterstützt, gemeinsam gut begehbare Schulwege zu erarbeiten.

Laut Studien wird bereits jedes vierte Kind im Auto zur Schule gebracht. "Vor allem für Eltern ist es ein Lernprozess, weil wir geben heute sehr gut acht auf unsere Kinder und vergessen, dass wir sie dabei auch einschränken", sagt Birgit Appelt, die für die Umsetzung des Projekts "Sicher bewegt" zuständig ist. "Am Anfang unserer Arbeitsprozesse steht immer die Überlegung, wie wir selbst zur Schule gegangen sind. Und da kommen sofort Bilder", berichtet die Expertin der SPES Familien-Akademie. "Jeder von uns kann sich sofort an den Schulweg erinnern, an die Abenteuer, die wir erlebt haben. Und diese Erlebnisse nimmt man den Kindern, wenn man sie immer nur ins Auto setzt und bringt."


SPES Familien-Akademie

Die Ö1 Sommerserie im Rahmen von Open Innovation

Mitte Mai hat eine Fachjury aus Ihren Einreichungen 16 Projekte ausgewählt, die von 4. bis 28. August 2014 jeweils Montag bis Donnerstag um 16:55 Uhr in Ö1 vorgestellt werden.

Alle 16 Projekte finden Sie hier

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