Innovation.Leben

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Der energieeffiziente Klassenraum.
Schüler und Lehrer bauen ein Stockwerk der HTL St. Pölten um. Das schont die Umwelt und spart Geld.
Gestaltung:Tanja Malle
Redaktion: Wolfgang Ritschl

In den Sommerferien ist es an der HTL St. Pölten, die im vergangenen Schuljahr einen neuen Gebäudetrakt des Bundesschulzentrums bezogen hat, ziemlich ruhig. Schüler sind keine zu sehen, aber zwei Lehrer: Hermann Binder und Gerhard Hinterhofer. Sie haben gemeinsam mit Schülerinnen und Schüler 17 Klassenzimmer, sowie Nebenräume und Aula auf den neuesten technischen Stand gebracht.

Sensoren an Decke, Fenstern, Wand

Die Elektrotechnik-Abteilung befindet sich im 2. Stock des Schulgebäudes. Hier ist etwas anders als in den übrigen Stockwerken, erklärt Abteilungsvorstand Hermann Binder: "Im Grunde geht es um den Raumcontroller, gleich hinter dem Lehrertisch." Den Raum-Controller haben Lehrer und Schüler eingebaut und nicht die Bundesimmobiliengesellschaft, die das Gebäude errichtet hat. Beim Bau des Neutrakts wurde zwar die Wärmedämmung nach derzeitigem Stand der Technik umgesetzt, hinsichtlich effizienter Energienutzung wurden allerdings keine besonderen Maßnahmen getroffen. Das haben nun die Schüler und Lehrer der Elektrotechnik-Abteilung erledigt.

Smarte Reaktionen

Mit dem Raum-Controller lassen sich Beleuchtung, Jalousien und Heizung regeln. "Wenn zum Beispiel in den Controller eingegeben wird, dass die Raumtemperatur 20 Grad betragen soll, regelt dieser das automatisch. Und reagiert auf Veränderungen im Klassenzimmer. Beispielsweise dann, wenn gelüftet wird", erklärt der Ingenieur und Projekt-Leiter Gerhard Hinterhofer. Am Fenster sind Sensoren angebracht, die ein Signal an den Raum-Controller senden, wenn gelüftet wird. In der Folge drosselt dieser die Heizung bzw. schaltet sie aus: "Ein gewöhnliches Thermostat würde genau das Gegenteil tun: Nämlich die Heizungsleistung ankurbeln, wenn die Raumtemperatur durch das Lüften sinkt," sagt Hermann Binder.

Auf das gesamte Schuljahr hochgerechnet hat die smarte Steuerung der Heizung das größte Energieeinsparungspotential. "Wir haben das Stockwerk vor einem Jahr bezogen und führen seit Jänner Messungen durch. Im Vergleich zu den anderen Stockwerken verbrauchen wir 40 - 60 Prozent weniger Heizenergie", berichtet Projektleiter Gerhard Hinterhofer.

Von der Diplomarbeit zur praktischen Anwendung

Das Projekt "Energieeffizienter Klassenraum" baut auf der Diplomarbeit zweier ehemalige Schüler aus dem Jahr 2010 auf. Diese berechneten damals den Energiebedarf eines Klassenzimmers. Nicht nur die Heizung, auch elektronische Geräte und die Beleuchtung werden in allen 17 Klassenzimmern automatisch gesteuert - mithilfe eines Bewegungsmelders, der erkennt, ob sich Personen im Klassenzimmer aufhalten oder nicht. "In drei Klassenzimmern haben wir zusätzlich eine Konstantlicht-Regelung eingebaut," erzählt Hermann Binder, während er durch den zweiten Stock führt: " Das heißt, die Beleuchtung wird automatisch geregelt - je nachdem wie hell oder dunkel es draußen ist."

Hoffen auf Vorbildwirkung

Die kaum sichtbare Ausstattung des zweiten Stockes mit Sensoren und Steuerungselementen hat einiges gekostet. Pro Klassenzimmer waren das 1.500 Euro. "Zahlreiche Firmen aus der Region haben sich an den Kosten beteiligt. Wir waren überrascht, wie schnell das geklappt hat," berichtet Elektrotechnik-Vorstand Hermann Binder. Das Land Niederösterreich und der Landesschulrat finanzieren die Messtechnik, die Schüler und Lehrer nutzen, um zu berechnen, wie viel Geld durch die Sonderausstattung der Klassenzimmer bisher gespart werden konnte. Ein Ergebnis: In der vergangenen Heizsaison hat der zweite Stock gegenüber den anderen Stockwerken 3.500 Euro einsparen können. Der Abteilungsvorstand Hermann Binder hat neben dem Sparen noch ein anderes Ziel: "Wir hoffen, dass wir unsere Schüler mit diesem Projekt sensibilisieren und andere Schulen inspirieren, es uns gleich zu tun."

Die Ö1 Sommerserie im Rahmen von Open Innovation

Mitte Mai hat eine Fachjury aus Ihren Einreichungen 16 Projekte ausgewählt, die von 4. bis 28. August 2014 jeweils Montag bis Donnerstag um 16:55 Uhr in Ö1 vorgestellt werden.

Alle 16 Projekte finden Sie hier

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