Hörspiel-Studio

"Ovale Fenster." Ein Hirnwettlauf im Allerhörbarsten. Von Dietmar Dath, Thomas Weber und Volker Zander. Mit Christian Brückner, Diana Deutsch, Gertraud Heise, Heike Aumüller, Johannes Frisch und Thomas Weber. Komposition und Regie: Thomas Weber und Volker Zander (SWR 2012)

"Egal wer es geschaffen hat, wem es gehört, wer es benutzt und wozu" - in seinem eigenen Hirn kenne er sich selbst am besten aus, behauptet der Physiologe und Physiker Hermann von Helmholtz und fordert den lieben Gott zu einem Wettrennen heraus. Noch während der Allmächtige seine Turnschuhe zuschnürt, hechtet Helmholtz durch das ovale Fenster im rechten Ohr in seinen eigenen Kopf. Das titelgebende ovale Fenster ist eine Membran, die das Mittel- vom Innenohr trennt und als Verstärkerelement Schallwellen aus der Luft auf die Ohrflüssigkeit überträgt. Kurzum: Es geht um Schwingungen und Schwebungen, um Kombinationstöne, Klangfarben, Konsonanz und Dissonanz. Dietmar Daths ebenso rasanter wie amüsanter Text steht in der Tradition der fantastischen Literatur. In ihm treffen die Naturwissenschaften des 19. auf Diskurse des 21. Jahrhunderts. Grundiert, illustriert und beglaubigt werden sie von den flirrenden Sounds des Elektroniktrios "Kammerflimmer Kollektief".
Und da das Medium Radio nun unzweifelhaft einiges mit der Physiologie des Hörens zu tun hat, scheint gerade dieses Stück das geeignete zu sein, um den 90. Geburtstag des Mediums zu noch ein wenig nachzufeiern. In Österreich nahm die RAVAG bekanntlich am ersten Oktober 1924 ihren Sendebetrieb auf. Bereits wenige Wochen später wurde das erste "wortdramatische Werk" gesendet. Was der 1821 in Potsdam geborene und 1894 in Berlin gestorbene Hermann von Helmholtz freilich noch nicht wissen konnte …

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