Motive - Glauben und Zweifeln

1. Helferin und Lebenskünstlerin: Inge Hungerleider
2. Eine Österreicherin in Medina: Iman Dox und die Sufi-Spiritualität
3. Keine Angst vor den Ängsten

1. Helferin und Lebenskünstlerin: Inge Hungerleider

88 Jahre alt ist sie vor Kurzem geworden: Ingeborg oder - wie sie sich selbst nennt - Inge Hungerleider. Dessen ungeachtet besucht sie im Wiener "Haus der Barmherzigkeit" regelmäßig alte, kranke und pflegebedürftige Menschen, vor allem solche, die kaum oder keine Angehörigen mehr haben. Für ihren Einsatz ist sie im November mit dem "Preis der Menschlichkeit 2014" ausgezeichnet worden.
Dabei hat Inge Hungerleider selbst viel Schweres erfahren: Als Tochter einer jüdischen Familie geboren, der Familie Mannheimer in Frankfurt, waren es in ihrer Jugend Verfolgung, Vertreibung und Flucht. Am 9. November 1938 hat die damals 12-jährige Inge Mannheimer erlebt, wie "ihre" Synagoge in Brand gesetzt wurde. Kurz darauf ist sie mit ihren Eltern nach Shanghai geflohen - einem der wenigen Fluchtorte zur Zeit des Nationalsozialismus, für den man kein Visum gebraucht hat. Zwei Jahre nach dem Krieg, dann bereits verheiratet, ist sie - freilich wieder auf einer abenteuerlichen, anstrengenden Schiffsreise - nach Wien gekommen und hier geblieben.
Judith Fürst hat die unermüdliche Helferin in das "Haus der Barmherzigkeit" im 16. Bezirk Wiens begleitet.


2. Eine Österreicherin in Medina: Iman Dox und die Sufi-Spiritualität

Die blutigen Anschläge islamistischer Terroristen haben in der vergangenen Woche einmal mehr die Emotionen in weiten Teilen der nichtmuslimischen Bevölkerung Europas gegenüber dem Islam geschürt: Angst, Zorn, Rachsucht, aber auch das Bemühen um Deeskalation und den Dialog mit der friedlichen muslimischen Mehrheit, die der ideologischen Geiselnahme ihrer Religion durch eine extremistische Minderheit weitgehend hilflos gegenübersteht. Ob man etwa den Propheten Mohammed kritisieren und verspotten dürfe, lautet eine der Fragen, die dieser Tage einmal mehr die Spannung zwischen Meinungsfreiheit und Blasphemie zuspitzen.
Im Islam denkt man derzeit jedenfalls weltweit an seinen, des Propheten, Geburtstag. Er wurde um das Jahr 570 in Mekka geboren, ist aber 622 in die heutige Stadt Medina ausgewandert, wo er 632 gestorben ist. Nicht nur Millionen von Pilgerinnen und Pilgern besuchen jedes Jahr die beiden Städte auf der Arabischen Halbinsel - in Medina lebt auch eine international zusammengesetzte muslimische Community: Unter ihnen ist auch die Österreicherin Iman Dox.
Lise Abid hat kurz vor der Jahreswende die knapp 70-Jährige in Wien getroffen und gefragt, wie sich ihr Leben in Medina - im Staat Saudi-Arabien, wo ja eine sehr strikte Richtung des sunnitischen Islam gelebt wird - wie sich also ihr Leben in der "Stadt des Propheten" gestaltet.


3. Keine Angst vor den Ängsten

Immanuel Kant nennt den Menschen einen Bürger zweier Welten. Die eine ist die natürliche, die uns ins Leben zwingt und in den Tod. Die andere, die Welt des Bewusstseins, hebt jedoch darüber hinaus, gewährt Distanz zur Betrachtung der Dinge, kennt Visionen einer besseren Zukunft und ist imstande, Oasen guten Lebens zu gestalten. Diese Vernunft gedeiht nur in einem Klima nüchterner Analyse und einer angstfreien mitfühlenden Zuwendung zu allen Menschen. Angst hingegen hält ein Leben in Knechtschaft, und in dieser Erstarrung ersticken alle kreativen Ideen. Wie ich die Welt sehe, so ist sie auch. Ein Kommentar der evangelischen Theologin und Religionspsychologin Susanne Heine.


Moderation: Martin Gross

Service

Haus der Barmherzigkeit
Iman Dox

Buch, Iman Dox, „Unsterblich verliebt - Eine europäische Frau erlebt den Islam“, Donau-Verlag

Sendereihe