Vom Leben der Natur

Unbekannte Ur-Insekten. Der Zoologe Günther Pass spricht über die Beintastler. Teil 1: Flügellose Winzlinge.
Gestaltung: Lothar Bodingbauer

Beintastler sind Insekten, die keine Flügel haben und im Boden leben. Sie werden etwa 1 mm groß, und es gibt weltweit über 800 verschiedene Arten. 23 dieser Arten - so viele wie nirgendwo sonst an einer Stelle - kommen auf einer Wiese am Leopoldsberg in Wien vor.

Die Forschung an diesen Insekten ist schwierig, da die Tiere außerhalb des Bodens nicht leben können. Dunkelheit, Feuchtigkeit, Kühle sind notwendige Lebensbedingungen. Entomologen (Insektenforscher) wissen deshalb auch noch nichts Genaues über die Fortpflanzungsmechanismen dieser Tiere.

Somit kann die Kenntnis über die Fortpflanzung nichts zur Artbestimmung beitragen. Die Kenntnis der Art ist aber wichtig, um das jeweilige Tier im evolutionären Stammbaum einordnen zu können. Das genau möchte man aber auch mit den Beintastlern tun. Wo gehören sie hin, mit wem sind sie verwandt, und wann sind sie entstanden?

Es gibt nun aber seit einiger Zeit neben der klassischen Weise, die morphologische Eigenschaften (das Aussehen) und die Kenntnis des Fortpflanzungsmechanismus verwendet, auch molekularbiologische Möglichkeiten, Arten zu bestimmen. Bei Beintastlern wurden Genetik und Morphologie kombiniert, die Ergebnisse stimmen somit sehr gut überein.

Was Wissenschaftler daraus wissen, ist, dass Beintastler mit den Silberfischchen und Springschwänzen verwandt sind. Silberfischchen sind aus Bad oder Badewanne gut bekannt, und Springschwänze bemerkt man manchmal in Blumentöpfen als weiße, aufspringende Insekten. Diese beiden Gruppen gehören zu den Ur-Insekten, sind also sehr früh im Laufe der Evolution der Insekten entstanden und leben auch heute noch. Es gibt auch versteinerte Formen, die schon über 400 Millionen Jahre alt sind. Die enge Verwandtschaft mit diesen Tieren schreibt also auch den Beintastlern ein hohes Alter zu.

Service

INTERVIEWPARTNER:

Univ.- Prof. Dr. Günther Pass
Universität Wien
Department für integrative Zoologie

Günther Pass - Department of Integrative Zoology


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Morgenjournal (II)

MO | 26 Jänner 2015