Hörspiel-Studio

In memoriam Carl Djerassi.
"Vier Juden auf dem Parnass" von Carl Djerassi. Vier Herren, allesamt Heroen der Geistes- und Kulturgeschichte, sitzen auf dem Parnass und reden. Die schwachen Seiten der großen Geister werden lustvoll vorgeführt. (ORF 2008)

Vier Herren, allesamt Heroen der Geistes- und Kulturgeschichte, sitzen auf dem Parnass und reden. Sie hätten allen Grund sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Man hat ihnen Denkmäler errichtet und Straßen nach ihnen benannt.

Dennoch sind Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Gershom Scholem und Arnold Schönberg von Zweifeln geplagt. Weniger was ihre wissenschaftlichen oder künstlerischen Karrieren betrifft. Die stehen, was die Flut von postmortalen Publikationen und Lobpreisungen betrifft, gänzlich außer Zweifel. Zudem bleibt allein die Aufenthaltsberechtigung im griechischen Olymp der Dichtkunst nur den allergrößten unter den Dichtern und Denkern vorbehalten.

Nagend ungeklärt sind jedoch – bis weit über den Tod hinaus – manche Vorkommnisse im jeweiligen Liebes- und Eheleben der Herren. Waren die Ehefrauen auch tatsächlich treu? Ist der Briefwechsel zwischen Walter Benjamin und Adornos Frau Gretel nicht eine Spur zu intim? Hatte Arnold Schönbergs Frau Mathilde Zemlinsky etwas mit Alban Berg? Um den quälenden Zweifeln eine Ende zu bereiten, werden die Ehefrauen, eine nach der anderen, schließlich mit einem Tagesvisum auf den Parnass beordert. Starke Frauen allesamt, verhört von ihren eitlen, narzisstischen und pfäuischen Männern.

Carl Djerassi, Chemiker, Schriftsteller und Kunstsammler, vor allem aber bekannt als Erfinder der "Anti-Baby-Pille", führt die schwachen Seiten der großen Geister lustvoll vor. Mit Witz und Ironie gibt er Antworten auf Fragen, die die noble Kulturgeschichte erst gar nicht stellt.

Regie: Harald Krewer. Mit Michael Rotschopf, Karl Markovics, Jörg Ratjen, Toni Slama, Chris Pichler, Sabine Haupt, Andrea Clausen, Maria Happel, Carl Djerassi.

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