Beispiele

Literarische Neuerscheinungen aus Österreich.
"Watschenmann." Von Karin Peschka

Wien, 1954. Die harten Nachkriegsjahre sind vorbei, Wiederaufbau und wirtschaftlicher Aufschwung prägen die Zeit. Doch nicht jeder findet Halt in einer Gesellschaft, die versucht, Krieg und Gewalt in die Vergangenheit abzuschieben. Lydia, Dragan und Heinrich gehören zu den Entwurzelten, die in einem Schuppen hausen und - jeder für sich - ein anderes Bild der Nachkriegsgesellschaft skizzieren.

Lydia verliert sich in der Hoffnung, ihr Verlobter würde eines Tages aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehren. Der Serbe Dragan kämpft um eine Art von Normalität, die er nicht findet. Und schließlich Heinrich, der "Watschenmann", hat sich eine ganz eigene Gedankenwelt zurecht gelegt. Er zieht durch die Straßen und provoziert Passanten, ihn zu schlagen. Physische und verbale Hiebe steckt er ein, um den "Kriegswurm" freizulegen, der sich immer noch tief in allen Menschen verbirgt. Der "Watschenmann" Heinrich entzieht sich dabei dem Schmerz und der Demütigung, indem er zum Beispiel an einen Raben denkt: "an einen, der sich gegen den Wind stemmt."

Der Roman erzählt von der ambivalenten Beziehung dreier Menschen, die sich schlagen und beleidigen, die aber an der Hoffnung festhalten, und die sich gegenseitig Stabilität und Halt geben.

Karin Peschka, Jahrgang 1967, ist als Wirtstochter in Oberösterreich aufgewachsen. Sie besuchte die Sozialakademie Linz und lebt seit 2000 in Wien. Sie arbeitete u.a. mit alkoholkranken Menschen und mit arbeitslosen Jugendlichen, aber auch mehrere Jahre im Bereich Onlineredaktion und Projektorganisation. Die Autorin publizierte in diversen Anthologien und schrieb Kolumnen für oe1.ORF.at. 2008 erschien in der Edition "Neuhauser Kunstmühle" das Kunstbuch "Sterntaler", das sie gemeinsam mit Michael Hedwig veröffentlichte. 2011 erhielt sie vom "Schreibwerk Berlin" den Preis der Jury im Wettbewerb Kürzestprosa, und 2013 wurde ihr für den damals noch im Entstehen begriffenen Roman "Watschenmann" der Wartholz Literaturpreis verliehen. 2014 gewann Karin Peschka mit "Watschenmann" den "Floriana" Literaturpreis, und für den Rauriser Literaturpreis 2015 steht das Buch auf der Shortlist.

Service

"Watschenmann." Von Karin Peschka. Otto Müller Verlag.
Gestaltung: Philip Scheiner. Redaktion: Edith-Ulla Gasser

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