Hörspiel-Studio

"Der Kommandant. Die Aufzeichnungen des SS.Obersturmbannführers Rudolf Höß" von Jürg Amann, in der Regie von Stefan Weber und mit der Stimme von Udo Samel. (ORF 2012)

Heuer sind es genau 80 Jahre nach dem Erlass der "Nürnberger Rassengesetze", die den Nationalsozialisten als juristische Grundlage für ihre antisemitische Ideologie dienten, erst 10 Jahre später wurden diese Gesetze durch das alliierte Kontrollratsgesetz Nr. 1 vom 20. September 1945 aufgehoben. Also achtMonate nach der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz.

Rudolf Höß, von Mai 1940 bis November 1943 Lagerkommandant von Auschwitz, in dem mehr als eine Million Menschen gedemütigt, gemartert und ermordet wurden, galt als Familienmensch. Er liebte seine Frau, seine Kinder, seine Hunde und seine Pferde. "Meine Familie", sagt er, "war mein zweites Heiligtum. In ihr bin ich fest verankert. Ihr galt meine stete Sorge um ihre Zukunft." Weil aber die "Öffentlichkeit" in ihm bloß die "blutdürstige Bestie, den grausamen Sadisten, den Millionenmörder" sehe, könne sie eben nicht verstehen, dass auch er "ein Herz hatte" und "dass er nicht schlecht war." Er habe, sagt Rudolf Höß, "nie einen Häftling misshandelt oder gar getötet".

In der Zeit zwischen seiner Verhaftung nach Kriegsende und seiner Verurteilung zum Tod im Jahr 1947 legte Höß über sein Leben in schriftlicher Form "Rechenschaft" ab. 247 Seiten lang berichtet er über seinen Werdegang, klagt über die Schwierigkeiten die Vernichtungsmaschine Auschwitz in Gang zu halten und erzählt von seiner "unbändigen Liebe zum Vaterland". "Die nationalsozialistische Weltanschauung", sagt Höß, "hielt ich für die einzig artgemäße für das deutsche Volk."

Der Schweizer Schriftsteller Jürg Amann hat die Aufzeichnungen des Lagerkommandanten Rudolf Höß verknappt, strukturiert und 2011 als Buch herausgebracht. "Angesichts der Wirklichkeit", schreibt Amann in einer editorischen Notiz, "ist alles Erfinden obszön." Die Aufnahmen für die Hörspielversion - mit Udo Samel in der Rolle des Lagerkommandanten Rudolf Höß - wurden an einen geschichtsträchtigen Ort verlagert: Der Regisseur und Soundkünstler Stefan Weber nutzte sowohl die Akustik als auch die Atmosphäre eines Bunkers beim Flakturm am Wiener Arenbergpark, um diese "erschütternde Selbstdenunziation" (Jürg Amann) klanglich entsprechend verorten zu können.

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