Motive

Motive - Glauben und Zweifeln

"Sola Schola et Sanitate" - Der Demograph Wolfgang Lutz über die Bedeutung von Bildung für Entwicklung und gesundes Leben. Gestaltung: Martin Gross

In Deutschland als Sohn des bayerischen Historikers Heinrich Lutz geboren und in Wien aufgewachsen, gehört Wolfgang Lutz seit Jahren zu den international renommiertesten Demographen. Der Wittgenstein-Preisträger beschäftigte sich mit den positiven Auswirkungen von Bildung auf Wohlstand, Bevölkerungsentwicklung, Gesundheit und Klimaschutz bei seinem Festvortrag beim kürzlich im Wiener ODEON-Theater gegebenen Empfang anlässlich des evangelischen Reformationsfestes am 31. Oktober. "Bildung ermöglicht überhaupt erst eine selbstbestimmte Existenz, sie ist Grundvoraussetzung für das komplexe Zusammenleben der Gesellschaft und sie dient den höheren Zielen Freiheit und Gerechtigkeit", betonte Lutz.

Angesichts aktueller Daten lasse sich deutlich der Zusammenhang zwischen Bildung und Wohlstand aufzeigen. So würden jene Länder, die schon im 19. Jahrhundert eine hohe Alphabetisierungsrate aufwiesen, also etwa die Länder Nordeuropas, aber auch Nordamerika, wirtschaftlich besser dastehen. Hingehen gehe es Ländern, in denen Bildung eine untergeordnete Rolle spielt, wirtschaftlich deutlich schlechter.

In seinem Vortrag ging Lutz auch auf die Ursachen für die unterschiedlichen Bildungsstände weltweit ein. Während im arabischen Raum die Technologie des Buchdrucks Jahrhunderte lang weitgehend verboten war, gab es in Europa mit Martin Luther jemanden, der diese neue Möglichkeit einer breiten Bevölkerung zugänglich machte. Das habe in Folge auch zum wirtschaftlichen Erfolg dieser Regionen beigetragen. Insofern müsse man auch Max Webers These von der wegbereitenden Bedeutung des Protestantismus für den Kapitalismus relativieren. Moderne Studien zeigten, dass der wirtschaftliche Erfolg der protestantischen Länder, der auch schon um 1900 sichtbar war, mit der hohen Alphabetisierungsrate in protestantischen Ländern zusammenhänge.

Darüber hinaus betonte Lutz, der mit einer evangelischen Pfarrerin verheiratet und zum Protestantismus konvertiert ist, die Wichtigkeit der Förderung von Bildung und Gesundheit als Priorität für eine nachhaltige Entwicklung. Dies gelte einerseits für den Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, andererseits aber auch für die westeuropäische Gesellschaft. "Der Zusammenhang von Gesundheit und Bildung wird auch in Österreich sichtbar. Neueste Forschungen zeigen, wie wichtig es ist, dass wir nicht aufhören, uns geistig zu betätigen. Geistige Aktivität hilft uns, für uns selber zu sorgen, aber auch für andere".

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