Konzert am Vormittag

(I) Christian Tetzlaff, Violine. Johann Sebastian Bach: Partita Nr. 2 d-Moll BWV 1004 (aufgenommen am 21. Mai 2015 in St. Luke's, London im Rahmen des "LSO Internaional Violine Festival 2015") * (II) Finnisches Radio-Symphonieorchester, Dirigent: Hannu Lintu; Virpi Räisänen, Mezzosopran. Kalevi Aho: Symphonie Nr. 16 für 60 Streicher, 4 Schlagzeuger und Mezzosopran (2013-2014, Uraufführung), Text: "Die Fahrende" (Gertrud Kolmar); aufgenommen am 3. September im Musiikkitalo, Helsinki. Präsentation: Peter Kislinger

Kalevi Aho, der größte zeitgenössische Symphoniker?

Der 1949 in Südfinnland geborene Kalevi Aho habe "durchaus berechtigt Anspruch" auf den Titel "größter zeitgenössischer Symphoniker". So schrieb vor drei Jahren die CD-Fachzeitschrift "Gramophone". Seine mittlerweile 16 Symphonien und seine 25 sinfonisch konzipierten Instrumentalkonzerte (u. a. für Martin Fröst, Sharon Bezaly, Colin Currie) werden weltweit gespielt. Ahos Gesamtwerk umfasst auch Kammermusik und fünf Opern.
An seiner 16. Sinfonie hat Aho von November 2013 bis Februar 2014 gearbeitet; uraufgeführt wurde sie am 2. September 2015 im "Haus der Musik" in Helsinki. Hannu Lintu, der Chefdirigent des RSO Finnland, war als Besetzung ein großes Streichorchester und vier Schlagzeuger vorgeschwebt. Für die Schlagzeuggruppe verlangt Aho auch eher ungewöhnliche Instrumente: Plattenglocken, Djembé und Darbuka (afrikanische Handtrommeln), Ocean Drum, Spring Drum, eine japanische Binsasara-Klapper, Dobaci (Chinesische Tempelglocken) und einen Chinesischen Mond-Gong. Während der Arbeit stieß Aho auf das Gedicht "Die Fahrende" der deutschen Dichterin Gertrud Kolmar (1894 - 1943), das er im 5. und letzten Satz für einen Mezzosopran vertonte. Auch die Titel der einzelnen Sätze entnahm der Komponist dem Gedicht.

Vademecum: Sinfonie Nr. 16

Der 1. Satz (Die Wanderstraßen) beginnt mit einer Melodie in den Kontrabässen und einem bedrohlichen Motiv in den Plattenglocken. Das Tempo steigert sich zu einem rasenden Presto im 5/4 Takt und bietet Schlagzeugern Gelegenheit zu virtuosen Soli. Der Satz kehrt zum Anfangstempo zurück.
Spielten im 1. Satz die einzelnen Streichergruppen weitgehend unisono, so sind sie im 2. Satz (Ein Zipfel dieser Welt) oft geteilt, und fast jedem Musiker wird Gelegenheit zu einem Solo geboten. Der Allegretto-Teil im letzten Abschnitt wird wieder von perkussiven Instrumenten beherrscht.
Der 3. Satz (Des Blinden Sehnsucht) erreicht in wellenartigen Steigerungen den emotional aufgeladenen, leidenschaftlichen Höhepunkt des Werkes, bevor er leise verklingt.
Der 4. Satz (Weit verirrte Bilder) ist der kürzeste des mehr als 50-minütigen Werkes. Wieder sind die Streicher geteilt, wieder viele kurze Soli. Die surreale Atmosphäre der Musik entspreche der Verszeile aus Gertrud Kolmars Gedicht "Die Fahrende", schrieb der Komponist im Programmheft zur Uraufführung.
Der sanfte Satzanfang des Finales (Die Fahrende) wird vom Schlagzeug dominiert. Der Chinesische Mond-Gong soll dem Satz eine "ritualähnliche Stimmung" verleihen. Dem Schlagzeug und den Streichern schließt sich von hinter der Bühne der langsame, zunächst wortlose Gesang der Mezzosopranistin an. Am Konzertpodium angekommen singt sie das vierstrophige Gedicht der deutschen Lyrikerin. Das Werk endet mit ritualähnlichen Klängen des Mond-Gongs. Von hinter der Bühne lässt sich der nun wieder wortlose Gesang der Sängerin vernehmen.

Sendereihe

Gestaltung

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