Konzert am Vormittag

BBC Symphony Orchestra, Dirigent: Sakari Oramo; Collin Currie, Schlagzeug. Alan Hovhaness: Symphony Nr. 2 op. 132, "Mysterious Mountain" Andrew Norman: Switch (Ausschnitt) Richard Strauss: Eine Alpensymphonie op. 64
(aufgenommen am 11. Dezember 2015 im Barbican, London). Präsentation: Peter Kislinger

Auf dem Programm im Barbican Centre London standen ein sehr bekanntes, ein selten gespieltes und ein fast ganz neues Werk. Das sehr bekannte: die Tondichtung von Richard Strauss mit dem Titel "Eine Alpensinfonie", das fast ganz neue: die britische Erstaufführung des Schlagwerkkonzerts von Andrew Norman mit dem Titel "Switch".

Mysterious Mountain.

Den Auftakt machte eine von insgesamt mehr als 70 Sinfonien eines amerikanischen Komponisten armenischer Abstammung: die dreisätzige 2. Sinfonie von Alan Hovhaness. Sie ist eine der am öftesten aufgeführten des 2000 verstorbenen Komponisten. Held seiner Sinfonie ist ein Berg, aber kein bestimmter. Der Titel "Mysterious Mountain" soll einen Hinweis auf die eher platonisch zu verstehende Idee des Berges sein: Ehrfurcht, Demut, Inspiration, die sich beim Gedanken "Berg" einstellen. Auslöser war aber doch reelles bergiges Terrain in New England und Washington State.
In Auftrag gegeben wurde die Symphonie vom verstorbenen englisch-amerikanischen Dirigenten Leopold Stokowski, der sie 1955 mit dem Houston Symphony Orchestra uraufführte. Es war das Einstandskonzert in Texas des 1977 im Alter von 95 verstorbenen Dirigenten und wurde sogar vom amerikanischen TV direkt übertragen.

Gipfelsieg mit 120 Musizierenden

Das Opus 64 von Richard Strauss trägt den Titel "Eine Alpensinfonie" und bietet zunächst eine Tagesrückschau: Nacht - Sonnenaufgang - Der Anstieg - Eintritt in den Wald - Wanderung neben dem Bache - Am Wasserfall - Erscheinung - Auf blumigen Wiesen - Auf der Alm - Durch Dickicht und Gestrüpp auf Irrwegen - Auf dem Gletscher - Gefahrvolle Augenblicke - Auf dem Gipfel - Vision - Nebel steigen auf - Die Sonne verdüstert sich allmählich - Elegie - Stille vor dem Sturm - Gewitter und Sturm, Abstieg - Sonnenuntergang - Ausklang - Nacht.
Nicht nur Tages-, sondern auch Lebensrückschau: Strauss hat offenbar sehr lange den Plan mit sich herumtragen, ein alpines Jugenderlebnis musikalisch zu bewältigen: Aufbruch um zwei Uhr morgens, fünf Stunden Aufstieg und, weil man vom Weg abkam, fünf Stunden Abstieg und schließlich am Kamin frohe und dankbare Gefühle nach Sturm und Gewitter.
120 musizierende Personen saßen auf dem Podium im Barbican Centre in London. Das konventionelle große Orchester verstärkten 9 Hörner, 2 Tuben, 2 Harfen, 2 Pauken, Orgel sowie ein Fern-Orchester mit weiteren 9 Hörnern, 2 Trompeten und 2 Posaunen. Endlich habe er zu orchestrieren gelernt, hat Richard Strauss 1915 seine Riesenpartitur kommentiert. Nicht nur Tages- und persönliche Lebensrückschau wird in dieser Tondichtung gehalten, sondern ein archetypischer, auch von Friedrich Nietzsches Philosophie vorgezeichneter, Lebensweg in Töne gesetzt, eine Deutung, der auch Sakari Oramo im Interview einiges abgewinnen kann.

Sakari Oramo: Conductor of the Year.

Der 1965 in Helsinki geborene Dirigent erhielt am 10. Mai von der ehrwürdigen Royal Philharmonic Society den prestigeträchtigen "Conductor of the Year Award" für seine Arbeit mit dem BBC Symphony Orchestra, dessen Chefdirigent er ist. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit Oramos "Mischung aus Leidenschaft und scharfer Intelligenz", der enormen Bandbreite seines Repertoires, seinen "Hebammendiensten für Auftragswerke der BBC - ein Dirigent, der nicht aufhört sich weiter zu entwickeln."
Der Preis ist die höchste britische Anerkennung im Bereich der "Klassik". Vorgänger waren Claudio Abbado, Daniel Barenboim und Andris Nelsons. Wenige Wochen zuvor hatte Oramo den "BBC Music Magazine Award" in der Kategorie Orchester für seine CD-Aufnahmen der Symphonien 1 und 3 gewonnen, diesmal mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, dessen künstlerischer Leiter er auch ist. Oramos Nielsen-Aufnahmen waren im Juni 2015 "CD des Tages".

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